Show Less

Geburt, Taufe und Kirchgang in der Fürstenwelt des Alten Reichs

Hauke Petersen

Die Geburt eines fürstlichen Kindes war in der Frühen Neuzeit nicht nur ein Grund zur familiären Freude, sondern weckte auch Hoffnungen auf Erhalt und Steigerung dynastisch-politischer Macht. Sinnbildlich wurden diese Erwartungen im Tauffest mit der Aufnahme des Kindes in die fürstlich-weltliche und kirchliche Gemeinschaft. Im gesamten Verlauf von Schwangerschaft, Geburt, Taufe, Wochenbett und Kirchgang wurden Zeremoniell und Ritual genutzt, um politische Macht darzustellen und zu gestalten. Anhand von vier exemplarisch ausgewählten frühneuzeitlichen Höfen – Wien, Dresden, Stuttgart und Gottorf – wird die Bedeutung und die Instrumentalisierung fürstlicher Geburten, Taufen und Kirchgänge erklärt.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

7 Fazit

Extract

Geburten und Taufen am frühneuzeitlichen Hof waren, nicht anders als in nicht- fürstlichen Gesellschaften, ein elementares, mit Freude verbundenes Ereignis im Leben einer Familie. Die Geburt setzte Leben fort und sicherte die Existenz der Familie in biologischer, aber auch in materieller Hinsicht. Die Taufe war als zweiter Übergangsritus im Leben grundlegend für die Eingliederung des Kindes in die kirchliche und weltliche Gemeinschaft. Mit dem Kirchgang als drittem Übergangsritus wurde die Phase der Sonderstellung von Mutter und Kind in der Gesellschaft beendet. Alle drei Ereignisse wurden auch in der nicht-höfischen Welt mit einem Ensemble symbolischer Kommunikationsformen zelebriert. Geburt, Taufe und Kirchgang hatten über diese Merkmale hinaus am früh- neuzeitlichen Hof weitreichende Implikationen, die anhand von drei Thesen im Folgenden die Ergebnisse dieser Arbeit zusammenfassen sollen. In einem zwei- ten Schritt wird noch einmal die vergleichende Perspektive herangezogen, um die vier untersuchten Höfe in Bezug auf ihr Verhalten bei Geburten, Taufen und Kirchgängen zu charakterisieren. 1. Höfische Tauf- und Kirchgangsfeste waren Anlässe für fürstliche Treffen. Taufen und Kirchgänge am frühneuzeitlichen Hof boten Anlässe für Fürsten, sich an einem Ort zu treffen, um gemeinsam über bestimmte politische Aspekte zu beraten. Dies traf vor allem auf die Zeit vor dem 30-jährigen Krieg zu. Das dargestellte Beispiel des „Stuttgarter Hoffestes“ von 1616 macht dies eindrucks- voll deutlich. Die führenden Mitglieder der Protestantischen Union trafen sich hier, um eine gemeinsame Vorgehensweise abzustimmen und den Bestand der Union zu...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.