Show Less

Danziger Umgangssprache und ihre Spezifik

Series:

Grazyna Lopuszanska-Kryszczuk

Die gemeinsame, viele Jahrhunderte alte Geschichte der Kaschuben, Deutschen und Polen in Danzig führte zur Herausbildung einer Kommunikationsgemeinschaft, in der unterschiedliche, alle drei Nationen integrierende Bindungen zwischen den Menschen bestehen. Die wesentlichen gesellschaftlichen Prozesse, Zusammenarbeit und Anpassung, haben zur sprachlichen Akkomodation und Assimilation im Bereich der städtischen, multiethnischen Sprachgemeinschaft beigetragen. Das aus Standardsprache, standardnaher und dialektaler Umgangssprache erwachsene sprachliche Kontinuum zeichnet sich einerseits durch beachtliche Kontraste und anderseits durch ziemlich fließende Übergänge zwischen einzelnen Varietäten aus. Diese Form der städtischen Umgangssprache, die sich in Danzig infolge der Wanderungsbewegungen und sozialer Umschichtungsprozesse herausgebildet hat, wurde mit der Zeit zur vorherrschenden Verkehrssprache, die unabhängig vom Bewusstsein der ethnischen Zugehörigkeit zu einem der wichtigsten identitätsstiftenden Elemente des Danziger Bürgers wurde.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1. Einführung

Extract

Innerhalb der traditionellen Dialektologie ist die Erforschung von Stadtsprachen lange Zeit vernachlässigt worden. Obwohl es einige wesentliche Untersuchun- gen auf diesem Gebiet gibt, z.B. zur Leipziger (Baumgärtner 1959), Kölner (Heike 1964), Mannheimer (Bräutigam 1934), Münchner (Kufner 1961) und Berliner Stadtmundart (Dittmar/Schlobinski 1988), (Kallmeyer 1994) scheuen sich Dialektologen noch heute, sich diesen komplexen Sprachlandschaften zu nähern. Die Stadtsprachenforschung steht noch ganz am Anfang ihrer wissen- schaftlichen Entwicklung. Wo Städte sind, finden wir weiße Flecken in den lin- guistischen Beschreibungen der Sprachlandschaft. Denn sieht man einmal von Agathe Laschs Arbeiten ab, so gibt es zu diesem Thema nur wenige wissen- schaftliche Aufsätze in Zeitschriften sowie kurze Zusammensetzungen oder Anmerkungen in übergreifenden dialektologischen Arbeiten , wobei sich alle mehr oder weniger auf die Untersuchungen Aghate Laschs stützen. (vgl. Schlobinski 1983, 268-282) Ursache für dieses Defizit ist nicht nur die ungünstige Quellenlage, vor- nehmlich des Spätmittelalters und des 16. Jahrhunderts (vgl. Ribbe 1977), son- dern auch das traditionelle Desinteresse vieler Dialektologen und Sprachhistori- ker an Stadsprachen. Zumindest bis zu den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts herrschte die Meinung, dass es sich bei den Stadtsprachen um unreine Misch- produkte handelt, die zur Verarmung und zum Schwund der traditionsreichen Mundarten beitragen (Dittmar/Schlieben-Lange, 1982, 9). Das Ignorieren der Stadtdialekte war eine Immunisierungsstrategie, um heterogene ländliche Dia- lektgebiete aufgrund ihrer Überschaubarkeit vorzuziehen, was mittlerweile die Arbeiten von Labov (1966), Schlobinski (1987), Auwärter M., (1983) u.a. of- fenbart haben. Was als eine unbeschreibbare Mischung von...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.