Show Less

Danziger Umgangssprache und ihre Spezifik

Series:

Grazyna Lopuszanska-Kryszczuk

Die gemeinsame, viele Jahrhunderte alte Geschichte der Kaschuben, Deutschen und Polen in Danzig führte zur Herausbildung einer Kommunikationsgemeinschaft, in der unterschiedliche, alle drei Nationen integrierende Bindungen zwischen den Menschen bestehen. Die wesentlichen gesellschaftlichen Prozesse, Zusammenarbeit und Anpassung, haben zur sprachlichen Akkomodation und Assimilation im Bereich der städtischen, multiethnischen Sprachgemeinschaft beigetragen. Das aus Standardsprache, standardnaher und dialektaler Umgangssprache erwachsene sprachliche Kontinuum zeichnet sich einerseits durch beachtliche Kontraste und anderseits durch ziemlich fließende Übergänge zwischen einzelnen Varietäten aus. Diese Form der städtischen Umgangssprache, die sich in Danzig infolge der Wanderungsbewegungen und sozialer Umschichtungsprozesse herausgebildet hat, wurde mit der Zeit zur vorherrschenden Verkehrssprache, die unabhängig vom Bewusstsein der ethnischen Zugehörigkeit zu einem der wichtigsten identitätsstiftenden Elemente des Danziger Bürgers wurde.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

4. Forschungsstand

Extract

Die Rekonstruktion regionaler und sozialer Dialekte wie auch der Stadtsprachen wurde eigentlich bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts unterschätzt. Zwar wird der Begriff Stadtsprache benutzt, doch werden empirische Forschungen hierzu erst seit rund vierzig Jahren durchgeführt. Als William Labov im Jahre 1966 seine bahnbrechende Untersuchung zur Stadtsprache in New York „The Sozial Stracification of English in New York City, Washington D.C. (= Center for Applied Linguistics) vorlegte, übte dies nicht nur auf die dialektologische, sondern auch auf die historische Stadtsprachenforschung keinen starken Einfluss aus. Erst 1984 erschien der Aufsatz von Klaus J. Matthier, Sprachwandel und Sprachvariation, in: Werner Besch (hrsg.), Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung, 1. Halbband, Berlin, S. 768- 779, wo hervorgehoben wird, dass es sich bei der Erforschung der Stadtsprache um einen sozial determinierten, geordneter Varietätenraum handelt, was der Sprachwis- senschaft neue Perspektiven hinsichtlich der Erklärung von Sprachwandelphä- nomen eröffnet. Eine Stadtsprache galt bis zu dieser Zeit als äußerst heterogen und als eine Sprache, die durch zahlreiche Übergänge gekennzeichnet ist, wes- halb unbeachtet ließen, und dadurch dort, wo es Städte gibt, nach wie vor in den linguistischen Beschreibungen der Sprachlandschaft weiße Flecken auftreten. Die erste grundlegende Beschreibung der Stadtsprache: Berlinerisch: Eine ber- linerische Sprachgeschichte - wurde 1928 von Agathe Lasch vorgelegt. Die Au- torin hat in ihrer Pionierarbeit die Verflechtung von Variation und Sprachwandel nachgewiesen. Nachfolger fand sie aber erst in den 60er Jahren des 20. Jahr- hunderts, weil die Stadtsprachen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.