Show Less

Don Juan Tenorio

Zur Vorgeschichte des Don Juan-Stoffes in der europäischen Volksüberlieferung

Leander Petzoldt

Einer der großen Stoffe der Weltliteratur wird hier zu seinen Ursprüngen zurückverfolgt. Die Spannweite reicht vom archaischen Totenkult über christliche Exegese im barocken Predigtexempel bis hin zu da Ponte/Mozarts Don Giovanni. Dabei wird deutlich, wie sich der Stoff verschiedenen Gattungen anverwandelt und sich unterschiedlicher Medien bedient. Breiten Raum nehmen dabei einschlägige Glaubensvorstellungen und Volkserzählungen vom Steinernen Gast und vom Beleidigten Totenschädel, die tendenziös theologisch-politischen Bearbeitungen des Stoffes im Jesuitendrama (Leontius) und seine Trivialisierung im Puppenspiel und Volksschauspiel ein. Der Autor stellt Quellenmaterial aus über zwanzig Ethnien zu Verfügung, das in dieser Vollständigkeit bisher einmalig ist.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Teil I: Die Sage vom „Toten Gast“ in der oralen Tradition

Extract

A. Motivanalyse der mündlichen Varianten Wenn man das Drama von Don Juan (Don Giovanni) auf seinen Kern reduziert, so bleibt wohl den meisten Menschen die Szene im Gedächtnis haften, in wel- cher der von Don Juan ermordete und frevelhaft zu Gast geladene Komtur bzw. dessen Standbild erscheint, und Don Juan zur Rechenschaft zieht. In der vor- liegenden Monographie wird der Versuch unternommen, den Ursprung dieses Dramas zu seinen Wurzeln zurück zu verfolgen und den zu Grunde liegenden, fast im gesamten europäischen Raum verbreiteten Sagentypus „Der Tote Gast“ im Rahmen der komparatistischen Narrativistik, geographisch und historisch vergleichend zu untersuchen. Dabei wird die orale Erzähltradition der einzel- nen Ethnien zur Grundlage der Analyse gemacht und ihr Verhältnis zur litera- rischen Überlieferung untersucht. Letztlich geht es darum, das wahrscheinliche Ursprungsgebiet und die Verbreitungswege, sowie Modifikationen, Tendenzen und Intentionen der Sage von dem zu Gast geladenen Toten zu erfassen. Dazu dient eine eingehende Motivanalyse der mündlichen Varianten dieser Sage, wobei unter „Varianten“ Erzähltexte verstanden werden, die einen fest gefügten Formen- und Motivbestand bzw. ein konkretes Thema aufweisen und dieses nur geringfü- gig variieren16. Varianten weisen auf die Flexibilität und Variabilität mündlicher Erzählungen und ihrer Erzähler im Erzählakt (Performanz) hin. Varianten setzen sich aus einzelnen Motiven zusammen, daher ist als erster Schritt einer Untersu- chung eine Motivanalyse geboten. Varianten, die nur in einem bestimmten Punkt von der (hypothetischen) Normalfassung abweichen, inhaltlich jedoch in ihrem Motivbestand übereinstimmen, werden im philologischen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.