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Bildung durch Dichtung – Literarische Bildung

Bildungsdiskurse literaturvermittelnder Institutionen um 1900 und um 2000

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Edited By Christian Dawidowski

Welche Deutungsmuster, Vorstellungen und diskursiven Strategien bewirken die Durchsetzungskraft der Hochwertbegriffe Bildung durch Dichtung oder literarische Bildung im Kontext der Vermittlung von Literatur? Dieser Frage widmet sich der vorliegende Band. Er ergründet Kontinuitäten und Brüche zwischen Bildungsbegriffen des 19. und des 20./21. Jahrhunderts, um aufzuzeigen, wie die den Bildungsdebatten des 19. Jahrhunderts zugrunde liegende Trias Literatur – Nation – Bildung sich in der Gegenwart zu einem begrifflichen Geflecht aus den Elementen literarische Bildung, gesellschaftlich handlungsfähiges Subjekt und Kompetenz wandeln konnte.

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Christian Dawidowski: Einleitende Bemerkungen zu einer vergleichendenBetrachtung von Bildungsdiskursen seit etwa 1870 nebstsich daraus ergebenden Forderungen für die Gegenwart

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Einleitende Bemerkungen zu einer vergleichenden Betrachtung von Bildungsdiskursen seit etwa 1870 nebst sich daraus ergebenden Forderungen für die Gegenwart Christian Dawidowski Was wollen wir denn? Literarische Bildung und Buchkultur? Das mag etwas sein für Menschen, die nicht leben, die bei Sklavenwerk schuften und vielleicht in der freien Zeit in den Stuben über den Büchern hocken und das „Land der Griechen mit der Seele“ suchen. Severin Rüttgers, Lesebuch und Klassenlektüre, 1922 Zwei Umstände erscheinen bemerkenswert im zeitgenössischen Lamento über die Bedeutung des Lesens und die Wiederentdeckung von Bildung, insbesondere von literarischer Bildung (ein deutlicher Indikator für diese Renaissance ist tat- sächlich in der Wiederaufnahme des Begriffs in den aktuellen Lehrplänen zu erkennen, in denen er über Jahrzehnte marginalisiert wurde). Zum einen reagiert dieses Lamento auf eine Entleerung literarischer Bildung, die sich institutionell in der fortschreitenden Entfernung der Fachdidaktiken von der jeweiligen Fach- wissenschaft festschreibt. Diese Bewegung fortschreitender Distanzierung, die sich vor allem einer Umschichtung innerhalb der die Wissenschaften konstituie- renden Leitbegriffe verdankt (s. unten), ist jedoch weder historisch verortet, noch systematisch ergründet worden; vielmehr scheint sie sich unreflektiert fort- zuschreiben, betrachtet man nur den status quo der Lehrerausbildung. Zum an- deren wird popularistisch in Gestalt der so genannten „Humboldtschen Bildung“ ein historischer Rekurs gegenüber dem zeitgenössischen Diskurs geschickt aus- gespielt, ohne jedoch auch hier auf historisch exakte Systematisierungen zu ach- ten. Gespiegelt findet sich dies unter anderem in literaturdidaktischer Einfüh- rungsliteratur, die oft ahistorisch in den p...

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