Show Less

Das Leben des fliehenden Diebes: Ein strafrechtliches Politikum

Zweite, überarbeitete und ergänzte Auflage

Series:

Domenico Siciliano

Darf der angegriffene Eigentümer den Dieb erschießen, der mit der Beute flieht? Nach der immer noch herrschenden Meinung wird diese Frage unter der Annahme bejaht, daß der Angriff «nicht geringfügig» bzw. «nicht unerheblich» ist. Wie ist eine solche Meinung entstanden, nach der ein Angriff auf das Eigentum prinzipiell mit derselben Gewalt wie ein Angriff auf das Leben abgewehrt werden darf? Dieser Frage wird rechtssystematisch, rechtsphilosophisch und rechtshistorisch nachgegangen. Insbesondere wird eine «verdrängte» Aufklärung des Strafrechts rekonstruiert, die für eine Auffassung der Notwehr plädierte, in der das Leben des mit der Beute fliehenden Diebes stark geltend gemacht wird. Wichtige Komponenten dieser erfolglosen Tradition sind der Ansatz von von Globig und Huster aus dem Jahre 1783 und der Ansatz des § 427 des Entwurfs des Allgemeinen Gesetzbuchs von 1786. Beide Ansätze thematisieren die strukturelle Ungleichheit in der Gesellschaft. Damit knüpfen sie an Beccarias «Über Verbrechen und Strafen» an.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Einführung zur zweiten Auflage

Extract

Nach fast zehn Jahren erscheint eine zweite, überarbeitete und ergänzte Auflage. Der „mit der Beute fliehende Dieb“ stellt immer noch die Dogmatik des Not- wehrrechts in Frage und läßt das in § 32 StGB implementierte „Programm“ des Gesetzgebers durch die Einschränkung des „krassen Mißverhältnisses“ in Krise geraten. Als immer wichtigere argumentative Basis zu Gunsten der Position des Angegriffenen und gegen die Geltendmachung des Rechts auf Leben des flie- henden Diebes qua übergesetzlicher Quellen (Verfassung bzw. Europäischer Menschenrechtskonvention) tritt zunehmend das Bestimmtheitsgebot des Art. 103 Abs. 2 GG als Argument auf. Die Versuche, zwischen dem „schneidigen“ bzw. „absoluten“ Notwehrrecht und der Behauptung des Rechts auf Leben des Angreifers „einen dritten Weg“ zu finden, nehmen zu. Die ursprüngliche Idee war und ist nach wie vor, das Buch zu aktualisieren und kein völlig neues Buch zu schreiben. Auch aus diesem Grund wurde es in seiner Struktur nicht wesentlich verändert. Insbesondere wurde die Grundunterschei- dung zwischen Systematik und Genealogie beibehalten. Der genealogische Teil, der eher den „argumentativen Sprengstoff“ beinhalten soll, ist in der „Struktur“ und inhaltlich wenig geändert worden. Die Auseinandersetzung auf der Ebene des jus gentium zwischen Grotius und Pufendorf ist jetzt in einem ausführlichen Exkurs thematisiert. Der Leser wird die anderen Neuerungen, Korrekturen, Ver- besserungen, Verschiebungen, „Neuakzentuierungen“ und „Fluchtlinien“ selbst feststellen. Viele neue oder auch „alte“ Quellen konnte ich in der Bibliothek des Max Planck-Instituts für Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main, der Bibliothek des Max Planck-Instituts für Internationales und Ausl...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.