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Soziopolitischer Wandel und Sprachbewusstsein

Quechua-Spanisch-Bilinguale im urbanen Großraum von Cochabamba (Bolivien)

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Jurek Hentschel

Vor dem Hintergrund der jüngsten soziopolitischen Transformationsprozesse in Bolivien und unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Sprach- und Bildungspolitik der Regierung Morales wird die traditionell konfliktive Sprachsituation des Landes thematisiert. Mittels qualitativer Methoden empirischer soziolinguistischer Forschung werden Aspekte des Sprachbewusstseins bilingualer Quechua-Spanisch-SprecherInnen im urbanen Großraum von Cochabamba analysiert. Ziel ist das Herausarbeiten von Einflüssen der aktuellen Transformationsprozesse. Können diese positiv auf die ungesicherte Zukunft des Quechua einwirken? Im Fokus der Analyse stehen die Einstellungen der Bilingualen zu den beteiligten Sprachen, zum soziopolitischen Wandel und zur Sprach- und Bildungspolitik sowie der individuelle und gesellschaftliche Sprachgebrauch.

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1. Einleitung

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Als Evo Morales Ayma am 22. Januar 2006 als erster indigener Präsident Boli- viens im Regierungspalast von La Paz vereidigt wurde, hatten sich tausende sei- ner Anhänger auf der angrenzenden Plaza Murillo versammelt. Sie feierten die Amtsübergabe an den aymarastämmigen Gewerkschaftsführer der Coca-Bauern auf dem zentralen Platz der Stadt, den die indigene Bevölkerungsmehrheit des Landes noch bis in die 1950er Jahre hinein nicht hatte betreten dürfen. Viele Bolivianer sahen mit diesem Ereignis, dem Jahre des Kampfes sozialer und indigener Bewegungen vorausgegangen waren, eine neue Zeit hereinbre- chen, in der endlich die seit Jahrhunderten gewachsene soziale, politische und kulturelle Benachteiligung der Indigenen durch die kreolisch-mestizische Machtelite abgebaut werden könnte. Schon kurz nach der Regierungsbildung trat eine verfassungsgebende Versammlung zusammen, welche nichts weniger als die „Neugründung des Staates“ unter dem Vorzeichen der „Dekolonisierung“ anstrebte. Seit der Verabschiedung der neuen Verfassung im Januar 2009, die nach langen und intensiven politischen Auseinandersetzungen letztlich durch ein Re- ferendum legitimiert wurde, trägt das Land nun die offizielle Bezeichnung „Estado Plurinacional de Bolivia“, womit die Anerkennung und Wertschätzung der „plurikulturellen“ und „plurilingualen“ Realität des Landes symbolisch voll- zogen wurde. Die neue Verfassung nimmt dabei zentrale Forderungen der sozia- len und indigenen Bewegungen auf, die in besonderem Maße auch die Sprach- und Bildungspolitik des Staates betreffen. Diese wird im neuen Bildungsgesetz vom 20. Dezember 2010, das unter dem Namen „Avelino Siñani – Elizardo Pé- rez“ zwei Vorreiter der so genannten „Educación Indígena...

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