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Schreiben in Ost und West

Ostdeutsche Autoren von Kinder- und Jugendliteratur vor und nach der Wende

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Maria Becker

Ostdeutsche Kinder- und Jugendbuchautoren waren nach der Wende gänzlich neuen Produktionsbedingungen ausgesetzt. «Der Kapitalismus muss gelernt werden ...» So formulierte es 2010 die ehemalige Cheflektorin des Kinderbuchverlags der DDR Katrin Pieper. Selbst renommierten Autorinnen und Autoren Ostdeutschlands ist dieser Lernprozess nur ansatzweise gelungen, sofern sie sich überhaupt darauf einlassen wollten. Den Strukturen des bundesdeutschen Kinder- und Jugendbuchmarkts entsprach ein Anforderungsprofil, dem die einst erfolgreichen DDR-Literaten kaum gerecht werden konnten. Im Zentrum der vorliegenden Studie steht das literarische Schaffen von sechs DDR-Autoren vor und nach der Wende von 1989/90: Christa Kożik, Wolf Spillner, Jutta Schlott, Peter Abraham, Uwe Kant und Günter Saalmann.

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1. Einleitung

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„Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“ (vgl. Rother 2001, 25). Die berühmte Sentenz Willy Brandts ist eine klare Widerspiegelung zeit­ bedingter Emotionen, Bekenntnisse und Hoffnungen während der gesellschaft­ lichen Umbruchsprozesse 1989/1990. Doch mit dem Verlauf des Zusammen­ wachsens verbanden sich ebenso faktische, noch immer spürbare Disparitäten sowie ein bis heute anhaltender Diskurs über verpasste Möglichkeiten und erfahrene Grenzen (vgl. Ahbe 2010). Auch die nachwendezeitliche1 Umgestal­ tung der ostdeutschen Kinder­ und Jugendliteraturszene unterband ein äqui­ valentes Zusammenwachsen frühzeitig. Konziliante Bemühungen einzelner Personen und Organisationen um einen regen Austausch zwischen Ost und West erweckten zunächst den Eindruck einer sich paritätisch entwickelnden Vereinigung beider Systeme (vgl. Peltsch 1995b). Kinder­ und Jugendbuchau­ toren2 der DDR nahmen Einladungen westdeutscher Arbeitsgemeinschaften, Verbände und Vereine entgegen, renommierte Titel hielten Einzug in west­ deutsche Verlage. Doch der Signalisierung ernst zu nehmenden Interesses zum Trotz vollzog sich ein Austausch auch über prospektive Entwicklungsmöglich­ keiten eher selten. Schon bald zeigten sich die Ausmaße nachwendezeitlicher Handlungsprozesse unmissverständlich, als sich ostdeutsche Buchhandlungen nahezu ausschließlich an westdeutschen Publikationen orientierten und sich Schulen der DDR ihrer ehemaligen Lektüren entledigten. Fast die Hälfte aller Bibliotheken wurde (hauptsächlich von Betrieben, aber auch von Gemeinden und Städten) aufgegeben, alte Buchbestände gezielt entsorgt (Lux 1998). Vor allem aber komplettierten größere kulturpolitische Handlungen die Verdrän­ gung ostdeutscher KJL: Im Rahmen administrativer Maßnahmen erfolgte die Auflösung des Ministeriums für Kultur, verschiedene Organisationen verloren ihre Existenzberechtigung,...

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