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Literatur und Freiheit von Lessing bis zur Gegenwart

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Bodo Heimann

Das Buch ist mehr als eine Sammlung teils bisher verstreut veröffentlichter, teils noch unveröffentlichter Aufsätze, Essays und Vorträge. Die Autoren und Texte ergänzen sich in einem vielfältigen Zusammenhang europäischer literarischer Geschichte der Neuzeit, in dessen Mittelpunkt es um die Wiederbelebung und Verwirklichung von Freiheit geht. Die Autoren verständigen sich über Jahrhunderte hinweg: Lessing in seinem lebhaften und nie abgeschlossenen Denken mit Autoren der Renaissance; Goethe mit seiner Wiederbelebung der göttlichen Pandora, für die sich im 20. Jahrhundert auch Peter Hacks begeistert; Kleist mit seinen Frauengestalten; Eichendorff mit seiner Teilnahme am Freiheitskrieg und seiner Verspottung der Restauration; Heine mit seiner Selbstbefreiung durch Ironie und Spott und seiner Sympathie für Götter und Frauen. Was die Literatur um 1800 mit dem Avantgardismus des 20. Jahrhunderts verbindet, wird deutlich; und auch, wie leicht im 20. Jahrhundert der Gewinn von Freiheit in neue Zwänge umschlagen kann.

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Heinrich Heine und der Streit der Religionen

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Hans Kaufmann schrieb: „Es gibt kein Heinebild und wird keines geben, das nicht beeinflußt, ja in seinen wesentlichen Zügen bestimmt wäre von der Stellung, die der jeweilige Interpret zu den Grundproblemen der Gegenwart und der Geschichte der Nation und der Menschheit einnimmt.“206 Das gilt auch für mich und meinen Vortrag und wird noch deutlicher, wenn ich für meine Ausführungen zu Heines „Disputation“ den Untertitel wähle „Eine poeti- sche Karikatur“. Cardanus – Lessing – Heine Im 16. Jahrhundert verfasste der Arzt, Mathematiker, Astronom, Astrologe und Na- turphilosoph Hieronymus Cardanus207 einen „Wettstreit der Religionen“, in dem argumentativ ermittelt werden sollte, welches die wahre Religion sei. Cardanus ließ über diese Frage einen Heiden, einen Christen, einen Juden und einen Mohamme- daner disputieren. Weil er dem Christen nicht den Sieg zuerkannte, sondern den Streit offenließ, wurde er angegriffen, auch des Atheismus bezichtigt. Für Carda- nus, der eigentlich seine skeptische pantheistische Philosophie nur Gelehrten zu- gänglich machen wollte, um das Volk in seinem Kirchenglauben nicht zu irritieren, war das damals eine gefährliche Anschuldigung. Lessing schätzte Cardanus und schrieb über ihn eine längere Abhandlung im Rahmen seiner „Rettungen“.208 Lessing selbst lieferte mit seinem „Nathan“ be- kanntlich die berühmteste Behandlung dieser Frage. Dabei bediente er sich einer Geschichte, die er dem Decameron von Boccaccio entnahm. Dort findet sich in der dritten Geschichte des ersten Tages die Erzählung von den drei Ringen, die ein Va- ter seinen drei Söhnen vererbt. Melchisedech wendet mit...

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