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Fernsehen für Europa

Transnationale mediale Öffentlichkeit als kulturpolitischer Auftrag der EU

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Jan Büchel

Europa und Fernsehen – wie passt das zueinander? Die zwei Begriffe werden im Alltag üblicherweise nicht zusammen gedacht. Wenn das Projekt Europa jedoch auch zukünftig erfolgreich sein soll, werden die Bürger in Europa mehr miteinander über Europa kommunizieren müssen. Zahlreiche Politikbereiche und Institutionen in Europa und insbesondere auf den verschiedenen Ebenen der Europäischen Union zeichnen für den gegenwärtigen Status medialer Kommunikation in Europa verantwortlich. Wie könnte es gelingen, in einem Europa der nationalen Perspektiven und Interessen einen länderübergreifenden medialen Austausch über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Europas zu realisieren? Warum muss das Fernsehen dabei eine zentrale Rolle einnehmen? Und welche Faktoren sollten berücksichtigt werden, damit eine solche Kommunikation hinreichend wahrscheinlich wird? Auf solche Fragen bietet diese Untersuchung Antworten, um den Diskurs zum Fernsehen in Europa zu fundieren. Auf der beiliegenden CD finden sich Experteninterviews mit Vertreterinnen und Vertretern u.a. des Europäischen Parlaments, von Arte, 3SAT, EBU und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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2. Kommunikation in Europa – eine Frage der Öffentlichkeit?

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„Ohne Kommunikation gibt es keine menschlichen Beziehungen, ja kein menschliches Leben“ Niklas LUHMANN (1981) 2.1 Zur Historie, Form und Funktion von Öffentlichkeit sowie Ausprägung und Wirkung moderner Massenkommunikationsmittel 2.1.1 Definitionen von Öffentlichkeit Im antiken Griechenland – als erster Frühform der Demokratie – versammelten sich die Bürger auf der Agora, einem zentralen Versammlungsplatz, um öffentlich ihre Meinung kund zu tun und sich im Diskurs über gesellschaftlich und politisch rele- vante Themen zu verständigen. Diese Form der Versammlungsöffentlichkeit ge- nügte dem Volk, um Themen von gesellschaftlichem und politischem Interesse öffentlich zu diskutieren. Sie war ein Novum, eine ‚demokratische‘ Errungenschaft – die erste dokumentierte Form von organisierter politischer Öffentlichkeit. Die Gesellschaften in den modernen repräsentativen Demokratien der kapita- listisch geprägten Industrienationen hingegen bedürfen auf Grund ihres Grades an Komplexität einer pluralistischen medialen Öffentlichkeit. Grundsätzlich kann Öffentlichkeit als „ein Kommunikationssystem, in dem Informationen und Meinungen ausgetauscht werden und zu dem prinzipiell jeder rechtlich sowie faktisch Zugang haben muss“ (vgl. GERHARDS/NEIDHARD 1993:32) definiert werden. Traditionell wird der Begriff Öffentlichkeit für einen Bereich (staatlicher Angelegenheiten) verwendet, welcher der Allgemeinheit – durch Ausschluss der Kontrolle über den Zugang – zugänglich und somit weder privat noch geheim ist. Folglich sind sämtliche Bereiche, die abgegrenzt oder nur spezifischen Gruppen zugänglich sind, nicht öffentlich: „Öffentlichkeit entsteht immer dann, wenn ein Akteur vor einem offen zugänglichen Publikum kommuniziert.“ (HANS BREDOW- INSTITUT 2006:263) Systemtheoretisch ließe sich, LUHMANN folgend, Öffent- 14 lichkeit als „gesellschaftsinterne Umwelt der gesellschaftlichen Teilsysteme, also...

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