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Gehirn und Zauberspruch

Archaische und mittelalterliche psychoperformative Heilspruchtexte und ihre natürlichen Wirkkomponenten- Eine interdisziplinäre Studie

Wolfgang Ernst

Seit Beginn menschlicher Kultur waren Heilkundige bemüht, Kranken auch mit geeigneten Worten zu helfen. Archaische und mittelalterliche Heilspruchtexte, bisher als magische oder per Wortakt performierende Instrumente gedeutet, werden vom Autor erstmals nach neurobiologisch möglichen Funktionsabläufen unter die Lupe genommen. Textinhalte und Wortfiguren werden nach Kriterien emotionaler Verarbeitung per frontaler Regulierung, als Reaktion auf kognitive Inkongruenzen, als Imagination von Regression und als extro- und introversive Katharsis beschrieben. Dabei zeigt sich, daß fließende reziproke Vermittlungen von Kultur zu Natur möglich waren: Wort und Ritus konnten zur Aktivierung innerer Bilder und damit neuronaler Aktivitäten bis zu immunologischen Veränderungen beitragen.

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Mit dem überraschenden, zunächst durchaus zwiespältig wirkenden Titel Gehirn und Zauberspruch schlägt Wolfgang Ernst ein Kapitel interdisziplinären Ansat- zes auf, in dem er historische Heilspruchtexte in die neuzeitliche Neurobiologie transferiert, ohne dass die jeweiligen kulturellen und soziologischen Voraus- setzungen vernachlässigt werden. So finden eine greifbare mythische rituelle ‚Verbaltherapie‘ Mesopotamiens und die ‚mythische Anatomie‘ beim Geburts- gesang von Schamanen der Mayas ebenso Berücksichtigung wie wichtige As- pekte christlicher Soteriologie des Mittelalters und damaliger medizinischer Versorgung. Dr. Wolfgang Ernst, ein neurophysiologisch orientierter Nervenarzt, ist schon durch frühere medizinhistorische und ethnologische Arbeiten bekannt geworden. In Fachkreisen in guter Erinnerung sind beispielsweise Heilzauber und Aber- glaube in der Oberpfalz (1991), Zauber, Riten und Rezepte (2007), Ober- pfälzischer Heilzauber (2008), Beschwörungen und Segen. Angewandte Psycho- therapie im Mittelalter (2011) u. a. In seinem neuen Buch hat er sich vor allem folgende Aufgaben gestellt: Zum einen rein konzeptionell der Abschied von nebelhaften Vorstellungen über eine Art Magie im Gewerbe der alten Heilkundigen. Zum anderen die Er- kenntnis, dass die bisherigen Deutungen der alten Texte allein mit der Wortakt- Theorie der Linguistik an ihre Grenzen gekommen sind. Und so gelingt es ihm mit kurzen Einblicken in sozialpsychologische Details, insbesondere in eine ‚Triade von Hilferuf, Helferzuspruch und Umweltsage‘ sowie in strikter Voraus- setzung einer Notfallsituation mit Erwartungsdruck die notwendige wissen- schaftliche Basis zu sichern. Und dies nicht zuletzt auf der Grundlage intermit- tierender interpersonaler Synchronisierung der Gehirntätigkeit, wie sie nach cerebralen Simultanableitungen in der Hyperscanningforschung nunmehr seit wenigen...

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