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Martyrium

Variationen und Potenziale eines Diskurses im Zweiten Jahrhundert

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Nicole Hartmann

Ausgehend von der Annahme einer stark ausdifferenzierten Jesus-Bewegung bietet diese Studie eine dekonstruktive Lektüre von Texten aus dem zweiten Jahrhundert, in denen Hinrichtungen von Jesus-Anhängern als Martyrium überhöht werden. Sie konzentriert sich dabei auf die Aushandlungsprozesse christlicher Identität: in der Zuschreibung von Märtyrerautorität oder im Ausloten der Grenzen für eine Vorstellung von Märtyrern als Opfern – heilswirksames Selbstopfer versus Opfer der barbarischen Gegner. Der durch die Gewalterfahrung und in Auseinandersetzung mit innerchristlichen Widersachern gefärbte Gegnerdiskurs und die Affirmation der Bezeichnung Christiani bezeugen die (Selbst-)Konzeptualisierung der Autoren, ersten Leser und Hörer dieser Texte innerhalb des proto-orthodoxen Christentums.

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8. Schlussbetrachtung

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Wie geht es weiter? Wagt man einen blick über den Rand des zweiten Jahr- hunderts hinaus, zeigt sich, welche von den autoren entwickelten Elemen- te ihres martyrologischen diskurses weiter getragen wurden und welche nicht. Zu situationsspezifisch waren z.b. der Zeitdiskurs des ignatius oder die Evangeliumsanalogie im Martyrium Polycarpi, die nicht weiter aufgegrif- fen wurden und sich verlieren. bis zu einem bestimmten Punkt gab es noch „märtyrer“ als „Opfer“ und „märtyrerautorität“, die allerdings in einem institutionalisierten Rahmen kanalisiert wurden, bis auch sie aus dem ha- giographischen martyriumsdiskurs verschwanden. die wichtige Verknüp- fung von „martyrium“ und der ‚richtigen’ Jesus-anhängerschaft in der affirmation des namens Christianos trug schließlich zur Konsolidierung des proto-orthodoxen und später orthodoxen „Christentums“ bei. spuren dieser letzten drei aspekte möchte ich kurz anreißen. (a) in der Entwicklung eines martyriumsdiskurses im zweiten und drit- ten Jahrhundert spielt u.a. die Zuschreibung von autorität an als Christiani Verurteilte im Zeitraum bis zu ihrer Hinrichtung immer wieder eine Rolle. besonders in den beschreibungen der „märtyrer“ im Martyrium Lugdunen- sium wird deutlich, dass diese Form von autorität unterschiedslos, d.h. vor allem unabhängig von gesellschaftlichem stand oder dem Geschlecht eines bekenners/einer bekennerin, zugesprochen wurde. man hat in ihrem status eine besondere nähe zu Gott erkannt und deshalb ihren Worten und Wei- sungen großes Gewicht beigemessen. so erfahren auch die aufzeichnun- gen der Visionen der bekennerin Perpetua Verbreitung durch die anerken- nung ihrer situationsbedingten prophetischen autorität. doch ein halbes Jahrhundert sp...

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