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Die Entdeckung des Blutkreislaufs

Historische Entwicklung der Erkenntnisse über den Blutkreislauf- Auswirkungen auf das heutige Verständnis von Herzkreislaufkrankheiten

Konrad Wink

Die Entdeckung des Blutkreislaufs war ein langwieriger Prozess. Er reicht von der Antike bis in die Neuzeit. In der Antike kannte man keinen Kreislauf, sondern glaubte, dass das Herz eine Wärmepumpe ist, von der eine Beseelung ausgeht (Spiritus vitalis und animalis). Im Mittelalter wurde der Lungen- oder kleine Kreislauf zum Abrauchen der Fuligines über die Lunge entdeckt. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts erfolgte die Entdeckung des großen Kreislaufs und in der zweiten Hälfte die Entdeckung des Blutübertritts von den Arterien zu den Venen. In den folgenden Jahrhunderten erkannte man die Bedeutung des Blutkreislaufs für die Ernährung der Organe, die differenzierte Funktion des arteriellen Gefäßsystems und die Möglichkeit, Krankheiten des Herzens und im gesamten Organismus zu erkennen und zu behandeln. Die Entwicklung der Erkenntnisse über die Entdeckung des Blutkreislaufs wurde insbesondere anhand von Originaltexten der entscheidenden Persönlichkeiten dargestellt (z.B. William Harvey).

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6. Auswirkungen der Entdeckung des Blutkreislaufs auf die Physiologie und Pathophysiologie anderer Organe

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Erst durch die Entdeckung des Blutkreislaufs konnte die Funktion der verschie- denen Organe erkannt werden. 6.1 Leber Erasistratos (etwa 250 v. Chr.) nahm an, dass das Blut aus der Nahrung in der Leber gebildet wird und Galen (129-199 n. Chr.) ging davon aus, dass aus dem Chylus des Magens Blut roher Beschaffenheit von der Leber gebildet wird. Jean Riolan (1580-1657) sah die Leber als Sitz der Krankheiten für eine un- genügende Blutbildung, Diarrhoe hepatica, Cachexie, Atrophie und Hydrops an. Harvey (1628) fiel die Diskrepanz zwischen der großen Blutmenge und der Blutbildung in der Leber auf. Er zweifelte aber noch nicht an der Blutbildungs- funktion der Leber, stützte aber seine Theorie, dass das Blut zirkuliere insofern, als die Leber deshalb gar nicht viel Blut bilden müsste. Durch die Entdeckung des Ductus thoracicus (Pecquet 1649, Rudbeck und Bartholinus 1653) erkannte man, dass die Nahrung aus dem Magen-Darm-Kanal gar nicht durch die Leber fließt und folglich die Leber nicht das Organ der Blut- bildung auf diesem Wege sein kann. Und erst Bartholinus konstatierte, dass die Nahrung nicht in die Leber fließt (1653) und dort auch nicht das Blut gebildet wird (1671). Die Leber gewinnt damit als nicht blutbildendes Organ erheblich an Bedeutung. Da der Ductus thoracicus in die obere Hohlvene mündet, nahm man darauf- hin an, dass das rohe Gemisch in den Herzkammern und in der Lunge zu Blut verwandelt wird. Nach Thomas Bartholinus wird das Chylus-Blutgemisch in der Lunge fein verteilt und vermischt (1671)...

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