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Die «Gläserne Decke»: Fakt oder Fiktion?

Eine literarische Spurensuche in deutschsprachigen Werken von Autorinnen

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Edited By Dolors Sabaté Planes and Marion Schulz

Die Metapher Gläserne Decke steht für Hindernisse, mit denen Frauen konfrontiert sind, wenn sie in ökonomischen wie alltäglichen Bereichen in klassische Männerdomänen einzudringen suchen, etwa Anspruch auf Führungspositionen erheben. Vor rund dreißig Jahren fassten Soziologen in den USA dieses Phänomen im wirtschaftlichen Bereich als glass ceiling. Die in diesem Band zusammengestellten Analysen literarischer Texte zeigen, wie das Phänomen der Gläsernen Decke das Alltagsleben von Frauen vom 18. bis ins 21. Jahrhundert auf differenzierte, häufig unterschwellige und erschreckend selbstverständliche Weise bestimmt. Gleichzeitig schaffen sich die untersuchten Autorinnen mit ihren autobiografischen Texten, Romanen, lyrischen und dramatischen Werken Freiräume und brechen tradierte Grenzen auf.

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Lorena Silos Ribas: Mutterfantasien in der Gesellschaft: eine psychologische Gläserne Decke

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Mutterfantasien in der Gesellschaft: eine psychologische Gläserne Decke Lorena Silos Ribas In den letzten dreißig Jahren hat die Schweizer Literatur gezeigt, in wel- chem Maße der Einfluss der mütterlichen Figur an der Bildung der weibli- chen Identität beteiligt ist und wie der Mangel an Rollenvorbildern die be- rufliche Entwicklung eines Individuums beeinträchtigen kann.1 Das Bild der Frau als Mutter stellt zumeist das erste Rollenbild für das heranwachsende Mädchen dar; ein Rollenbild, welches die Gesellschaft – ganz offensichtlich in der Werbung – fortbestehen lässt und das in der Psyche der erwachsenen Frau weiterlebt. Wenn die Frau nicht als Mutter oder sogar als ‚perfekte‘ Mutter agiert,2 kann dieses Bild in ihr Schuldgefühle hervorrufen, die – von der Gesellschaft befördert – zwangsläufig ein Hindernis für ihre berufliche Entwicklung darstellen können. Mit der „Entdeckung der Kindheit“ und der bürgerlichen Familie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Begriff der Mutterliebe in die Gesellschaft eingeführt.3 Seitdem wird das gesellschaftliche Frauenbild mit der „natürlichen“ Veranlagung der Mutter als fürsorgliche und selbstlose Figur 1 In der Tat wurde vor Kurzem das Fehlen von Rollenvorbildern in der Kindheit und Jugend als der drittwichtigste Grund dafür genannt, dass Frauen in den Top- Führungsetagen immer noch unterrepräsentiert sind. Vgl. http://www.frausinn.ch/2005/07 (Zugriff am 4.8.2008). 2 In vielerlei Hinsicht lässt sich das heutige ‚perfekte‘ Mutterbild schwer von den Mutterfantasien des 18. Jahrhunderts unterscheiden. Zeitgenössische Mutter- modelle entsprechen immer...

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