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Zukunftsmaschinen in der Chemie

Kernmagnetische Resonanz bis 1980

Thomas Steinhauser

Zukunftsmaschinen in der Chemie zeigt am Beispiel der kernmagnetischen Resonanz (NMR), wie elektronische Instrumente und die mit ihnen verbundenen Methoden zu einem Kerngebiet der modernen Chemie wurden. Den Leitfaden der Analyse knüpfen die Aktivitäten der Firmen Varian Associates (USA) und Bruker-Spectrospin (Deutschland/Schweiz). Das Netzwerk der NMR umfasste aber nicht nur diese Zentren der Instrumentenentwicklung, sondern dehnte sich immer weiter aus. Mit Hilfe vielfältiger Quellen werden wichtige Personengruppen, Institutionen und Ideen beschrieben, welche die NMR zu einem eigenständigen Wissensgebiet formten. Einigen der Akteure wurde in historischen Arbeiten bisher nur wenig Beachtung geschenkt, dennoch ist ohne sie die Entwicklung der modernen Chemie und Naturwissenschaft insgesamt kaum zu verstehen.

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5. Innovationsschübe generieren einen neuen Instrumententyp

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Es gelang Bruker-Spectrospin 1967 mit dem HFX ein konkurrenzfähiges NMR- Spektrometer auf dem internationalen Markt vorzustellen. Dieser Erfolg hatte Anteil an der weiteren geografischen Verbreitung der NMR und des Wissens um moderne elektronische Instrumente insgesamt. Eine 1968 veröffentlichte OECD Studie "Gaps in Technology, Scientific Instruments"777 stellte fest, dass es neun Länder mit bedeutender Instrumentenproduktion gäbe: die USA, Groß- britannien, Japan, Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, Italien, die Nie- derlande, Schweden und die Schweiz. In diesen Staaten bestand auch der größte Bedarf an derartigen wissenschaftlichen Instrumenten. Alle Länder, die bei der Konstruktion und Produktion der NMR-Spektrometer besonders wichtig wa- ren,778 sind in der Liste enthalten – der Bau kommerzieller NMR-Spektrometer basierte offenbar auf dem Know-how einer bereits vorhandenen wissenschaftli- chen und industriellen Infrastruktur von Zulieferern, Herstellern und Benutzern: Moderne elektronische Instrumente sind das Produkt von Industriegesellschaf- ten. Nicht nur die hinter Rationalisierung und Automatisierung stehenden Werte, sondern auch die Produktionsmechanismen verbanden die industrielle Ökonomie und die Naturwissenschaft. Die in Vannevar Bushs linearem Modell und neueren theoretischen Konzepten ausgedrückten Verbindungen zwischen Wissenschaft, Industrie und Staat waren vorhanden, die vielschichtigen Wech- selwirkungen sind aber zumindest im Beispiel der NMR mit einem derart ein- fachen Modell nicht hinreichend zu erfassen. 5.1. Die Instrumentenhersteller als Teil einer internationalen NMR-Gemeinschaft Laut der erwähnten OECD-Studie waren die USA Mitte der 1960er Jahre der Hauptlieferant wissenschaftlicher Instrumente und nur sie konnten ihren Instru- mentenbedarf auch selbst decken. Die Studie konstatierte also immer noch ei- nen Rückstand Europas und...

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