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Das Strafrecht des klassischen islamischen Rechts

Mit einem Vergleich zwischen der islamischen und der modernen deutschen Strafrechtslehre

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Ali Türkmenoglu

Die Philosophie ist eine Frucht des Menschen und der Menschheit. Es wäre ideal und eine Bereicherung, wenn man die Ergebnisse des Denkens der verschiedenen Seiten miteinander vergleichen würde, um nützliche Erkenntnisse zu gewinnen. Dieses Buch befasst sich anhand der klassischen Fiqh-Literatur der bedeutendsten Rechtsschulen mit dem islamischen Strafrecht. Das Verständnis der Scharia wird differenziert dargestellt und erläutert. Ein wichtiger Irrtum besteht in der häufigen Ansicht, dass es sich bei der Scharia um einen unveränderbaren einheitlichen Corpus des islamischen Rechts handelt. Aufgezeigt werden zahlreiche im Westen vorhandene Missverständnisse und die Vermittlung eines klareren Bildes des islamischen Rechts. Herausgestellt werden soll die präventive Erziehung der islamischen Strafrechtsphilosophie. Der Vergleich des islamischen mit dem deutschen Strafrecht weist zahlreiche Parallelen auf, die sich hauptsächlich auf ihre Grundlagen beziehen.

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A. DIE KÖRPERDELIKTE UND IHRE BESTRAFUNG

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Das islamische Strafrecht unterscheidet die folgenden Körperdelikte: I. Verbrechen gegen das Leben (Tötung) II. Verbrechen gegen Körperteile (Körperverletzungsdelikte)31 III. Verbrechen gegen das Leben eines ungeborenen K indes32 I. Die Tötung (al-qatl) Die islamischen Rechtsgelehrten unterteilen die Tötungsdelikte, in Abhängigkeit von der Absicht des Täters, wiederum in drei Arten: 1. Die vorsätzliche Tötung (al-qatl camdan) 2. Die quasi-vorsätzliche Tötung, bzw. Verletzung m it Todesfolge (al-qatl sibh al- camd) 3. Die unbeabsichtigte bzw. fahrlässige Tötung (qatl al-hata') Die hanafitische Rechtsschule kennt noch eine vierte, der dritten ähnliche Art, die als „Tötung im Sinn eines Irrtums“ (al-qatl fT m acnä al-hata') bezeichnet wird. 1. Die vorsätzliche Tötung (al-qatl camdan) 1.1. Definition Die vorsätzliche Tötung stellt ein Verbrechen dar, weil dadurch ein Leben unrechtmäßigerweise ausgelöscht wird. Der Verbrecher bedient sich dazu einer W affe, bzw. was immer als Mittel zur Tötung gebraucht werden kann. Nach der Scharia ist die Tötung eine der größten Sünden (akbar al-kabāir), wofür Gott dem Täter die schlimmste Strafe androht: 31 al-FirūzābādT: al-Qamüs al-muhit, Bd. 4, S. 315; al-FayyümT: al-Misbāh al-munir, Bd. 1, S. 122; Ibn-Qudama: al-Mugm, Bd. 7, S. 635. 32 al-KāsānT: Badā’ic al-sana’īc, Bd. 7, S. 233; Bidāyat al-mugtahid, Bd. 2, S. 395. „W er einen Gläubigen m it Vorsatz tötet, dessen Lohn ist die H...

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