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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Edited By Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Konrad Burdach: Schlesisch-Böhmische Briefmuster aus der Wende des vierzehnten Jahrhunderts

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Konrad Burdach Schlesisch-Böhmische Briefmuster aus der Wende des vierzehnten Jahrhunderts [aus: Konrad Burdach (Hg.): Schlesisch-Böhmische Briefmuster aus der Wende des vier­ zehnten Jahrhunderts. (Vom Mittelalter zur Reformation 5). Berlin 1926, 297-300] [...] § 85. Psyehogenetische Ergebnisse für die Anfänge der modernen deutschen Bildung und Sprache. 1. Die sprachliche Bewegung, aus der seit dem Absterben der mittelhochdeut­ schen Literatursprache unser Neuhochdeutsch hervorwächst, gleicht einem gro­ ßen Strom, den im Frühling ungewöhnlich wilde Naturgewalten, Schneeschmel­ ze, Regengüsse und Stürme aus seinem Bette getrieben haben und der nun nach allen Seiten das Land überschwemmt, Geröll und Schlamm und allerlei Abfälle mit sich führend, zu einem hin und her wallenden Gewässer und zu kleinen Rinn­ salen sich seeartig ausbreitet, aber dadurch seine eigentliche Strömung verdeckt. Auch im Werden des neuhochdeutschen Sprachtypus ist um das Jahr 1400 der innere Lauf der sprachlichen Strömung schwer oder gar nicht zu erkennen, weil sie unter dem Hin- und Herwogen sprachlicher Überlieferung, Neubildung, Aus­ gleichung unsichtbar wird. Dennoch wird es die Aufgabe der Forschung sein, die Grundströmung der neuhochdeutschen Sprachentwicklung aufzufinden und von den über und neben ihr herlaufenden Nebenströmungen der Oberfläche zu unter­ scheiden. Wenn seit Friedrich Zamckes grundlegenden Feststellungen die Ge­ schichte des Neuhochdeutschen in der Sprache der Drucke für das ausgehende 15. Jahrhundert und etwa die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts von nicht wenigen Gelehrten (z. B. Kluge, v. Bahder, Edw. Schroeder, Kauffmann, Oskar Brenner, Virgil Moser u....

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