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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Edited By Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Emst Schwarz: Die Grundlagen der neuhochdeutschen Schriftsprache

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Emst Schwarz Die Grundlagen der neuhochdeutschen Schriftsprache [aus: Zeitschrift für Mundartforschung 12 (1936) Halle (Saale): Niemeyer (heute Stutt­ gart: Steiner, 1-15] Seit K. Müllenhoff auf die deutsche Kanzleisprache der Luxemburger in Böhmen und ihre anscheinende Regelung der Rechtschreibung hingewiesen hat (Denkmä­ ler deutscher Poesie und Prosa aus dem 8.-12. Jh.3 1892, S. XXXIIIff.), ist dieser Gedanke, von manchen gebilligt, von anderen abgelehnt, immer mehr in den Vordergrund getreten, seit K. Burdach hierin eine Äußerung frühhumanistischer Bestrebungen des Hofes Karls IV. zu erkennen glaubte und die Entstehung unse­ rer Schriftsprache als eine kulturgeschichtliche Erscheinung erklärte (besonders Vom Mittelalter zur Reformation I, 1893, S. XI; nun Vorspiel I2, S. 136ff.). Da bis heute die kritischen Stimmen nicht verstummen wollten, die auf die Schwä­ chen dieser Ansicht hinweisen, hat es jetzt A. Bernt, Die Entstehung unserer Schriftsprache (Vom Mittelalter zur Reformation XI, Berlin 1934), unternom­ men, die Entstehung der nhd. Schriftsprache am Prager Hofe Karls IV. und ihren Siegeszug in die Nachbarländer zu „beweisen”. Müllenhoff war es nicht entgan­ gen, daß die Sprache der Urkunden König Johanns von Böhmen, Karls IV. und Wenzels deshalb eine Führerrolle erhalten mußte, weil sie die Mitte hält zwi­ schen den beiden Mdaa, die sich im 13. Jh. in Böhmen begegneten - wobei Mül­ lenhoff nur an durch die deutsche Kolonisation hereingetragene Mdaa. denken konnte - , auch E. Martin spricht die Ansicht aus, daß der von den Deutschen in Prag damals gesprochene Dialekt...

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