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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Ingo Warnke: Leitideen der funktional-pragmatischen Sprachgeschichtsschreibung

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Ingo Warnke Leitideen der funktional-pragmatischen Sprachgeschichts­ schreibung1 [aus: Zeitschrift fur deutsche Philologie 120 (2001), 321-344] Abstract Die bisherigen Theorien zur Konstituierung der nhd. Standardsprache sind auf sprachgeographische Gegenstandsbereiche konzentriert. Darüber hinausgehende Faktoren sprachlicher Standardisierung sind bisher nicht ausreichend erforscht. Ausgehend von einem Merkmalmodell zur Bestimmung moderner Kulturspra­ chen wird in Ergänzung der sprachgeographischen Theorien für eine funktional- pragmatische Sprachgeschichtsschreibung plädiert, die in erster Linie den Vor­ gang der Polyfiinktionalisierung von Kommunikation als Teil der sprachlichen Standardisierung fokussiert. Up till now, theories on the emergence of the New High German standard language have been restricted to the field of linguistic geography. Other factors involved in linguistic standardisation have not been adequately researched. On the basis of a feature model for defining modem Kultursprachen, the approach adopted here advocates a functional-pragmatic view of language history along­ side theories from linguistic geography, focussing primarily on the process of the polyfunctionalisation of communication as part of the linguistics standardisation process. 1. Vorüberlegungen Der wissenschaftstheoretische Ausgangspunkt nachfolgender Darstellung ist die Annahme, dass die grundlegenden Perspektiven der Sprachgeschichtsschreibung aus der Aktualität je gegenwärtiger sprachlicher Konstellationen und dem damit immer wieder neu unternommenen Versuch ihrer geschichtlichen Herleitung re­ 1 An dieser Stelle danke ich Werner Besch (Bonn) und Oskar Reichmann (Heidelberg) für wesentliche Hinweise und hilfreiche Bemerkungen. Christopher J. Wells (Oxford), Peter R. Lutzeier (Guildford), Eckhard Meineke (Jena) und Jonathan West (New­ castle) danke ich für Ihre aufschlussreichen Diskussionsbeiträge. 342 Ingo Wamke sultieren. Insofern sind die zentralen...

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