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Von der Conquista zur Responsibility while Protecting

Die Debatte der humanitär gerechtfertigten Kriegsführung aus lateinamerikanischer Perspektive

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Stefan Knauß

Können Kriege aus humanitären Gründen gerecht sein? Der Autor verfolgt die lateinamerikanischen Antworten auf diese Frage von der Eroberung des Kontinents bis in die Gegenwart. Er zeigt, wie sich Philosophen, Völkerrechtler und Diplomaten angesichts des iberischen Kolonialismus für eine gezügelte humanitäre Interventionspolitik einsetzen können. Die behutsame Rekonstruktion einer lateinamerikanischen Perspektive liefert eine umfassende und detaillierte, nicht-eurozentrische Sicht auf die Geschichte der Menschenrechte. Dieser alternative Zugang zu Debatten des Völkerrechts, der Theorie des gerechten Krieges und der Ethik der internationalen Beziehungen trägt zu einem interkulturellen Verständnis der Menschenrechte und ihrer Durchsetzung bei.

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Kapitel 2: Der gespaltene Westen – Sepúlveda vs. Las Casas?

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Beweisziele Im folgenden Kapitel der Arbeit setzen wir uns indirekt mit der provokanten The- se Wallersteins auseinander, die Regelung der internationalen Beziehungen, sowie deren normative Reflexion hätten sich in den vergangenen 500 Jahren implizit der Argumentation Ginés de Sepúlvedas angeschlossen. Wie dargestellt behauptet Wallerstein, auch die gegenwärtige Konzeptualisierung der humanitären Inter- vention bzw. der R2P befänden sich auf mehr oder weniger offensichtliche Weise im Fahrwasser der Sepúlveda-Doktrin. Die überaus polemische und generelle Be- hauptung Wallersteins soll hier als Folie im Hintergrund stehen bleiben, wenn wir die wichtigsten Diskussionspunkte aus der Gegenwartsdebatte um die humanitäre Intervention untersuchen. Die differenzierte Betrachtung wird zeigen, dass Wallersteins Vorwurf in Be- zug auf eine bestimmte Form der humanitären Kriegsrechtfertigung tatsächlich zutreffend ist. Mit der so genannten Bush-Doktrin, in deren Formulierung der Krieg gegen den Terror als humanitäre Intervention gerechtfertigt sein soll, liegt ein Konzept vor, das als imperiale Strategie kritisiert worden ist. Der Rückgriff auf die Bush-Doktrin erfolgt hier nicht, um noch einmal gegen die Politik eines umstrittenen amerikanischen Präsidenten zu argumentieren, sie platt als Imperi- alismus abzustempeln oder populistisch den Anti-Amerikanismus zu feiern. Der Rückgriff auf die Bush-Doktrin erfolgt vielmehr, da gerade ihre Zwiespältigkeit für Kritiken, Irritationen und Feinjustierungen gesorgt hat, in denen überwie- gend Denker aus dem westlichen Kulturkreis die Grenzen einer gerechtfertigten Menschenrechtspolitik ausgelotet haben. Die Diskussion des Krieges gegen den Terror dient uns somit als Reservoir der Selbstkritik und Reflexion des ‚Westens‘, das von der...

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