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Kulturkritik zwischen Deutschland und Frankreich (1890–1933)

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Edited By Olivier Agard and Barbara Beßlich

Kulturkritik ist oft als ein spezifisch deutsches Phänomen beschrieben worden. Seit Sterns Studie über «Kulturpessimismus als politische Gefahr» war das Augenmerk vermehrt auf die Nähe zum Nationalismus gerichtet. Seitdem verblieb die deutsche Kulturkritik im Generalverdacht teleologischer Verbindung zum Nationalsozialismus und wurde oft mit überspannter nationalistischer Ideologie gleichgesetzt. Jedoch lässt sich die Entwicklung der Kulturkritik auch als eine Kontaktgeschichte zwischen den Nationen perspektivieren. Dass Kulturkritik nicht nur ein Produkt nationaler Eigenbrötelei ist, sondern sich diverse kulturkritische Strömungen in Deutschland gerade in der Auseinandersetzung mit französischen Entwicklungen herausgebildet haben, ist der Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes.

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5. Kulturkritik als Säkularisierungskritik

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Olivier Agard Max Scheler und der katholische Modernismus Ich möchte hier die Bedeutung des katholischen Modernismus und eines be- stimmten französischen philosophischen Kontextes für Max Scheler zeigen. Schelers Beziehung zu Bergson ist zwar öfter analysiert worden1, aber dass das Interesse für Bergson einen breiteren Hintergrund hat, wurde oft übersehen.2 Dieses Interesse für französische Debatten ist jedoch ein zentrales Element, will man Schelers Phänomenologie und ihre besondere Färbung verstehen. Es geht dabei nicht nur um die kulturellen und politischen Erweiterungen oder Kon- kretisierungen der Scheler’schen Phänomenologie, zum Beispiel im Buch Das Ressentiment im Aufbau der Moralen3, in dem eine zugleich katholisch und le- bensphilosophisch geprägte Kulturkritik entwickelt wird, sondern auch um den Kern seines Ansatzes, der also von diesen französischen Diskussionen mitbe- stimmt ist. Zuerst soll hier der katholische Modernismus kurz vorgestellt werden, mit be- sonderer Berücksichtigung der Aspekte, die für Scheler relevant sind. Um die Rolle des katholischen Modernismus zu verstehen, ist es jedoch wichtig, ihn im philo- sophischen Kontext der Jahrhundertwende zu verorten, denn er gehört zu diesem „Moment 1900“, von dem Frédéric Worms spricht4 und der als die Bemühung definiert werden kann, Leben und Geist zu versöhnen und den Neukantianismus 1 Siehe unter anderem: Wolfhart Henckmann, „La réception schélérienne de la philo- sophie de Bergson“, in: Frédéric Worms (Hg.), Annales bergsoniennes, Bd. II, Bergson, Deleuze, la phénoménologie, Paris, PUF 2004, 361–389; Konstantinos...

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