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Die Rezeption der Gestaltpsychologie in Robert Musils Frühwerk

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Karen Brüning

Im Mittelpunkt des Buches steht die Analyse der Wechselwirkung zwischen Robert Musils Frühwerk und der Gestaltpsychologie. Der österreichische Schriftsteller gilt als Wanderer zwischen den Welten der Wissenschaft und der Literatur. Er emanzipiert sich von der wissenschaftlichen Psychologie und setzt ihr eine auf psychologischen Erkenntnissen basierende Poetologie entgegen, in der besonders die Erkenntnisse der Gestalttheoretiker literarisch verarbeitet werden. In diesem Prozess, dessen Endpunkt der «Mann ohne Eigenschaften» darstellt, kommt dem Frühwerk eine besondere Bedeutung zu. Karen Brüning zeigt auf, wie Musil hier erstmals literarische Zugänge zu einem eigentlich psychologischen Erkenntnisinteresse erarbeitet: der Definition der Seele.

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9. Schlussüberlegungen – Die Allgemeingültigkeit dichterischer und seelischer Erkenntnis

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Abschließend sollen nun die Ergebnisse dieser Arbeit noch einmal zusammen- gefasst werden, um sie dann diskursanalytisch auszuwerten. Ausgangspunkt der Ausführungen war die Annahme, dass aufgrund des literarischen Umbruchs in der Jungen Moderne im Allgemeinen und der bildungsbiographischen Situation Robert Musils im Besonderen eine Untersuchung des Frühwerks unter diskurs- analytischen Gesichtspunkten grundsätzliche Zusammenhänge zwischen Wis- senschaft und Literatur offenbar werden lassen kann. Dabei zeigt sich, dass die wissenschaftlichen Einflussgrößen im Laufe von Musils Schaffenszeit variieren und zudem die philosophischen und psychologischen Erkenntnisse durch den Transfer in die Literatur zunehmend abstrahiert werden. 9.1 Zusammenfassung der Ergebnisse Bereits in Musils Erstlingswerk ‚Die Verwirrungen des Zöglings Törleß‘ kann die wissenschaftliche Einflussnahme problemlos dechiffriert werden. Dabei können im Wesentlichen zwei hauptsächliche (durchaus interagierende) Argu- mentationslinien herauspräpariert werden: die Orientierung an experimental- psychologischen Prinzipien und die Verarbeitung der Beschäftigung mit Ernst Mach. Das Experiment als wissenschaftliches Instrumentarium gewinnt ab Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung und ist gleichzeitig auch Symptom des Legitimationsgedankens, mit dem sich die Naturwissenschaf- ten gegen die metaphysische Dominanz durchzusetzen versuchen. Folglich wird das Experiment konsequent zur Ermittlung reliabler Daten herangezo- gen – ein Prozess, der auch vor der sich von der Philosophie emanzipierenden Psychologie nicht halt macht. In der Untersuchung des ‚Törleß‘ konnte aufge- zeigt werden, dass Musil bereits zu diesem frühen Zeitpunkt mit der exakten Wiedergabe wissenschaftlicher Vorgaben bricht und ihnen somit eine propä- deutische Rolle zuweist. Indem er die Methoden, die am Psychologischen In- stitut...

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