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Reichsdramaturgie

Kulissen und Choreographien der Macht im NS-Staat

Gunter Reiß

«Reichsdramaturgie» wird definiert als Chiffre für totalitäre Massensuggestion. Sie bezieht sich sowohl auf die Instrumentalisierung des Theaters durch Goebbels als auch auf die Inszenierungsformen des sich als ästhetisches Spektakel präsentierenden faschistischen Staates.
Rückgriffe auf Denk- und Handlungsmuster der NS-Zeit sowie Ausgrenzung und Verfolgung Andersdenkender prägen weiterhin Teile der deutschen Öffentlichkeit und beginnen, demokratische Übereinkünfte und Grundrechte auszuhebeln. Die Analyse der Theatralik des Faschismus bestätigt die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit als einen unverzichtbaren Bestandteil unseres gesellschaftlichen Denkens und Handelns.

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Einübung in die heroische Herrlichkeit des Krieges

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Wenn Schlösser immer wieder den Weg in die neue Zeit als Verwirklichung „der Vision einer neuen deutschen Thea- terherrlichkeit“ beschreibt, dann feiert er die Diktatur der Braunhemden, die Zucht, die zwingende Eingliederung und den Gehorsam der Massen. Ganz offen benennt er zugleich den militaristischen Kern der Massenaufzüge, definiert die Funktion der Massenveranstaltungen als Einübung in die heroische Herrlichkeit eines Krieges.161 Für das Theater der Straße gilt diese Beschreibung in be- sonderer Weise, findet doch gerade dessen Inszenierung in einem ins Monumentale gesteigerten, architektonisch auf genau diesen Zweck abgestimmten Bühnenraum statt. Das Szenario der Massenauftritte geht indes weit über die bloße 160 Das Taschenbuch Schönheit der Arbeit. S. 125/126. 161 Vgl. Schlösser, Rainer: Das Volk und seine Bühne. S.  29, 40–43, 56–62, 79, 82–89 65 Kulissenhaftigkeit hinaus. Peter Reichel162 verweist auf eine aufschlussreiche Passage in der 1940 erschienenen Sammlung Gespräche mit Hitler163, in der sich Hitler exakt zur poli- tischen Funktion dieser architektonischen Kulissen äußert: „In meinen Bauten stelle ich dem Volk meinen zum sichtbaren Zeichen gewordenen Ordnungswillen hin, von den Bauten überträgt sich der Wille auf den Menschen selbst. Wir sind von den Räumen abhängig, in denen wir arbeiten und uns er- holen. Nur an der Größe und Reinheit unserer Bauten ermißt das Volk die Größe unseres Willens. Es wäre das Falscheste, was ich hätte tun können, mit Siedlungen und Arbeiterhäu- sern zu beginnen. Alles...

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