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Paradoxe Ergebnisse von Mehrheitsentscheidungen

Ein aktueller Disput aus der Gründerzeit der modernen aufgeklärten Demokratie

Wolfgang Gerß

In diesem Buch geht es um demokratische Mehrheitsabstimmungen, von denen der Marquis de Condorcet im 18. Jahrhundert bemerkte, dass sie zu nicht umsetzbaren («paradoxen») Beschlüssen führen können, auch wenn die einzelnen Entscheidungsträger «vernünftig» (rational) denken und handeln. Dieses Phänomen ist bis in die Gegenwart ein Forschungsgegenstand von Sozialwissenschaftlern und Mathematikern. Die gegenwärtige Forschung hat ein Instrumentarium zur Beurteilung der Anfälligkeit gegen das Paradoxon für verschiedene Prozeduren von Mehrheitsentscheidungen geliefert. Hier werden einige Prozeduren in mathematischen Modellen dargestellt. Das Buch beschreibt ausführlich einzelne Schritte der Konstruktion dieser Modelle und demonstriert die empirische Auswertung mit leicht anwendbaren Verfahren der Wahrscheinlichkeitsrechnung.

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Fiktives realistisches Beispiel aus der Kommunalpolitik

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Das folgende Beispiel ist die erweiterte Fassung einer im Zusammenhang mit der nordrhein-westfälischen Landschaftsgesetzgebung konstruierten Szene (Gerß 2006). Der gewählte Rat einer Gemeinde besteht aus neun Personen, die in drei Fraktionen gruppiert sind. Die „konservative“ Fraktion wird aus vier, die „liberale“ Fraktion aus zwei und die „sozialistische“ Fraktion aus drei Ratsmitgliedern gebildet. Die Ratsmitglieder sind: Elisabeth Jansen, Hotelbesitzerin, konservativ Florian Lempel, Lehrer, konservativ Angelika Rosenstock, Steuerberaterin, konservativ Eva Wendland, Meteorologin, konservativ Johann Oberhofer, Milchbauer, liberal Philipp von Wildenburg, Forstwirt, liberal Herbert Bruns, Bauingenieur, sozialistisch Annemarie Faber, Kosmetikerin, sozialistisch Dr. Konrad Schmittmann, Arzt, sozialistisch Der nach der nordrhein-westfälischen Gemeindeordnung direkt gewähl- te hauptamtliche Bürgermeister, der in diesem Beispiel parteilos ist, leitet als Moderator die Ratssitzungen, hat aber dort kein Stimmrecht. Auf der Tagesordnung des Gemeinderats steht die Entscheidung, ob im Flächen- nutzungsplan ein bestimmtes Flächenstück als Naturschutzgebiet (N), als Gebiet für die Landwirtschaft (L) oder als Gebiet für die Bebauung (B) ausgewiesen werden soll. Zu dieser Frage hat es bereits vorbereitende Frak- tionssitzungen gegeben, in denen die Mitglieder jeweils einer Fraktion sich auf eine einheitliche Präferenzordnung festgelegt haben. Die Mitglieder der konservativen Fraktion sprechen sich daher an erster Stelle für die Entschei- dung zugunsten des Naturschutzes, die Mitglieder der liberalen Fraktion für die Entscheidung zugunsten der Landwirtschaft und die Mitglieder der sozialistischen Fraktion für die Entscheidung zugunsten der Bebauung aus. Wenn zur Abstimmung die drei Beschlussvorschläge 30 „Das Gebiet wird für den Naturschutz ausgewiesen“ „Das...

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