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Proust und der Krieg

Die wiedergefundene Zeit von 1914

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Edited By Uta Felten, Kristin Mlynek-Theil and Kerstin Küchler

Proust ist ein genauer Archäologe der diskursiven und sensoriellen Spuren des Krieges, die er in seinem Romanwerk zu einem polyvalenten Rhizom montiert, das sich eindeutigen Zuweisungen willentlich entzieht. Vergeblich sucht man nach direkten Frontberichten des Ersten Weltkrieges oder Bildern zerstückelter Körper auf seinen Schlachtfeldern. Die in diesem Band versammelten Beiträge lesen den letzten Band des Proust’schen Romanwerks À la recherche du temps perdu als vielstimmige Archäologie des Ersten Weltkrieges, die aus einer epistemologischen, intermedialen, philologischen und erkenntnistheoretischen Perspektive analysiert wird.

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Kriegsstimmung vor 100 Jahren. Variationen von Schlafwandel und Schlaflosigkeit bei Proust, Zweig, Broch und Clark (Walburga Hülk-Althoff)

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Walburga Hülk-Althoff Kriegsstimmung vor 100 Jahren. Variationen von Schlafwandel und Schlaflosigkeit bei Proust, Zweig, Broch und Clark Der Krieg, das ist eine Geistesverfassung. Es ist nicht der Lärm der feuernden Waffen oder die Propellerflügel eines Helikopters direkt über den Köpfen, auch wenn das natürlich dazugehört. Der Krieg, das ist vor allem das, was man im Kopf hat, wenn man ihn erlebt, und das, was davon im Kopf bleibt, während der Jahre danach. Das ist genau das, was ich zu bedenken geben wollte. Denis Tanovic, No Man’s Land1 Umwege führten vor 100 Jahren nach Méséglise und nach Guermantes. Wege in Prousts Welt können Umwege sein, sie können auch von heute aus zurückführen in die wiedergefundene Zeit. Hundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beherrschen die literarischen und wissenschaftlichen Publikationen zu dieser „ersten Katastro- phe des 20. Jahrhunderts“2 den internationalen Buchmarkt. Unter allen Neu- erscheinungen zum Thema hat das Buch des australisch-britischen Historikers Christopher Clark, The Sleepwalkers. How Europe Went to War in 1914 (London 2013)/Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog (München 2014), besonderes Aufsehen erregt. Die Leser weltweit lieben es, doch aus der Zunft der deutschen Historiker verlauteten Zweifel an der Darstellung. Die Kritik an der umfangreichen Studie richtete sich zuvörderst auf die pointierte Infragestellung der sogenannten Fritz-Fischer-These von der deutschen Hegemonialpolitik als alleiniger Ursache des Ersten Weltkrieges.3 Die Kritik an Clark zielte aber ebenso ab auf das Konzept...

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