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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.

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4. Das existenziale Verstehen

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1 Was heißt es, etwas zu verstehen? Anscheinend etwas erklären zu können� Wann kann ich etwas erklären? Wenn ich die Ursachen einer Wirkung kenne� Etwas zu erklären heißt also, etwas kausal verstehen zu können� Verstehen heißt demnach einen Zusammenhang kausal zu erklären� Nur die kausale Erklärung ist nicht an sich vorhanden, sondern sie ist Ausdruck einer verstehenden Interpretation, die darauf beruht, dass wir immer je schon verstanden haben, ohne erklären zu können, warum wir verstanden haben� Das Erklären expliziert also ein im- mer je schon vorgängiges implizites Verstehen, das sich im Lebensvollzug allzu oft unerklärlich erscheint� Das Verstehen erscheint empraktisch als historisches Apriori, als historisch-praktisch gewordene Bedingung der Möglichkeit jeder Erklärung, die sich immer auch einer vollständigen Erklärung entzieht� Das Ver- stehen erscheint als die vor jeder Erklärung liegende Erklärung, die selbst kei- ne Erklärung hat� Man kann also niemals alles explizit machen� Das Verstehen zu verstehen, bedeutet davon auszugehen, dass es grundlegend empraktisch ist, und dass das Empraktische das immer sich Entziehende bleibt, auch wenn wir es immer besser explizieren können�2 Wir meinen jemanden verstanden zu haben oder etwas verstanden zu haben, wenn wir es uns erklären können� In diesem Sinne ist Verstehen ein geregeltes, schematisiertes, generisches Können� Verstehen erweist sich dann als Einsicht und Einverständnis mit den bekannten, für alle generierbaren Regeln� Man versteht sich innerhalb vorausgesetzter Schemata einander...

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