Show Less

Robert Gilbert

Eine zeitgeschichtliche Biografie

Christian Walther

Erstmals wird in dieser Biografie das Leben Robert Gilberts an Hand des Nachlasses und einer Vielzahl weiterer Quellen nachgezeichnet. Sein Werk kennt fast jeder, seine Person fast niemand: Der außergewöhnliche Liedtexter und Lyriker hat mit so gegensätzlichen Komponisten wie Werner Richard Heymann («Das gibt’s nur einmal») und Hanns Eisler («Stempellied») gearbeitet. Im Wiener Exil schrieb er als «Tarner Brother», in Paris befreundete er sich mit Hannah Arendt, in New York kämpfte er ums Überleben. Er wandelte sich vom KPD-Sympathisanten zum Antikommunisten. 1949 kehrte er nach Europa zurück und arbeitete mit Erich Kästner für das Münchner Kabarett Die kleine Freiheit. Es folgte eine Karriere als Übersetzer amerikanischer Musicals wie My Fair Lady.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

V. Fluchtpunkt New York

Extract

175 V. Fluchtpunkt New York 1939: Ankunft – und die Mühen, Fuß zu fassen Am 30. März 1939 erreicht der Ozeandampfer Manhattan New York. An Bord Gold im Wert von 60.000.000 Dollar – die größte Menge, die bis zu diesem Zeitpunkt je über den Atlantik verschifft wurde.375 Die Ankunft der Aquitania war da weniger bemerkenswert, es sei denn, man war darauf Passagier, aufgebrochen, ein neues Leben zu beginnen. „An einem dunstigen Märzmorgen“, wie die Tochter schreibt, trifft die Aquitania mit einer Reisegeschwindigkeit von 26 Knoten im Hafen von New York ein. „Die Passagiere hatten sich an Deck versammelt und beobachteten in feierlichem Schweigen, wie wir uns der Freiheitsstatue näherten. Flüchtlinge, die heute mit dem Flugzeug über sie wegschweben, werden nie jenes Ausmaß an Erleichterung, Dankbarkeit und Hoffnung empfinden können, das wir empfanden, als wir von See aus erlebten, wie sie uns kraftvoll, majestätisch, mit hochgereckter Fackel in der Freiheit willkommen hieß.“376 Die Gilberts müssen die Einreiseformalitäten über sich ergehen lassen. Die Beamten der Einwanderungsbehörde, die nach dem Andocken – üblicher- weise an den Chelsea Piers377 – an Bord gekommen waren, stellten die letzte Hürde dar vor dem Betreten amerikanischen Bodens. „Kopfschüttelnd blätterte der Einwanderungsbeamte in den Papieren. Meine El- tern erstarrten. Was war da los? Was konnte jetzt noch passieren? Wir waren inzwischen an die Spitze einer der langen Menschenschlangen im Ballsaal des Passagierschiffs Aquitania vorgerückt. […] Ich stand bei dieser Passkontrolle zwi- schen meinen Eltern. Damals verstand ich...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.