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Vom Ich erzählen

Identitätsnarrative in der Literatur des 20. Jahrhunderts

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Edited By Heribert Tommek and Christian Steltz

Narrative des Ich und des Selbst sind für die bürgerliche Kultur konstitutiv. Dieser Band beleuchtet, wie das Ich seit Rimbauds Fanal «Je est un autre» destruiert wurde. Nietzsches «Tod Gottes» entthronte das Ich. Ernst Mach erklärte es für «unrettbar», da er es auf seine einzelnen Elemente zurückführte, während Freud das Ich schließlich nach seinen Funktionen im psychischen Apparat zerlegte. Mit der Ich-Auflösung vollzog sich eine fundamentale metaphysische Krise. Die Beiträge zeigen, wie sich diese Auflösung als Katalysator für eine dynamisierte Modernisierung der Künste erwies. Denn paradoxerweise steht die Destruktion des Ich für eine neue, autonome Subjektkonstitution in der Literatur des 20. Jahrhunderts.

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Das Leben ein Irrtum – Anagnorisis in den Einakterzyklen Arthur Schnitzlers (Corinna Schlicht)

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Corinna Schlicht Das Leben ein Irrtum – Anagnorisis in den Einakterzyklen Arthur Schnitzlers „Wir wissen nichts von andern, nichts von uns; / Wir spielen immer, wer es weiß, ist klug“.1 Schnitzler hat von seinen insgesamt 44 Theaterstücken 29 Einakter vorgelegt. Be- merkenswert ist, dass er die meisten seiner Einakter in Zyklen2 zusammengefasst hat: Anatol (1893), Lebendige Stunden (1902), Marionetten (1906), Komödie der Worte (1915). Jeweils im Spannungsfeld von Illusion und Wirklichkeit hinterfra- gen sie die Diskurse ihrer Entstehungszeit (wie die der Psychologie, Sexualität, Geschlechterrollen, Sprachkritik oder des Antisemitismus) sowie die Konventi- onen der bürgerlichen Gesellschaftsordnung. Dazu nutzt Schnitzler häufig die Anlage vom Spiel im Spiel, die Opposition von Kunst und Leben sowie das Symbol der Maske. Im Folgenden stehen die Identitätsnarrative im Fokus, also das nach Peter Brooks für den modernen Menschen symptomatische Prinzip des plottings,3 der „Grundvoraussetzung moderner Identitätsbestimmung“.4 Konkret ist damit der narrative Entwurf des eigenen Lebens als Lebensgeschichte gemeint, wie es etwa in den modernen Romantypen des Entwicklungs- und Bildungsromans vorge- führt wird. Indem Schnitzler vor allem die Kommunikation, also die Redeweisen der Figuren vorführt, reflektieren seine Stücke den Akt der narrativen Hervor- bringung von Identität und entlarven diesen Vorgang zugleich als Illusion. Man kann sagen, dass die Peripetie der Einakter jeweils in der Kollision von Fremd- und Selbstbild besteht. Zwei Erzählungen prallen aufeinander und zerstören als 1 Schnitzler, Arthur: Das Vermächtnis. Darin: Paracelsus, Bd. 1. In: Ders.: Das dramati-...

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