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Vom Ich erzählen

Identitätsnarrative in der Literatur des 20. Jahrhunderts

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Edited By Heribert Tommek and Christian Steltz

Narrative des Ich und des Selbst sind für die bürgerliche Kultur konstitutiv. Dieser Band beleuchtet, wie das Ich seit Rimbauds Fanal «Je est un autre» destruiert wurde. Nietzsches «Tod Gottes» entthronte das Ich. Ernst Mach erklärte es für «unrettbar», da er es auf seine einzelnen Elemente zurückführte, während Freud das Ich schließlich nach seinen Funktionen im psychischen Apparat zerlegte. Mit der Ich-Auflösung vollzog sich eine fundamentale metaphysische Krise. Die Beiträge zeigen, wie sich diese Auflösung als Katalysator für eine dynamisierte Modernisierung der Künste erwies. Denn paradoxerweise steht die Destruktion des Ich für eine neue, autonome Subjektkonstitution in der Literatur des 20. Jahrhunderts.

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‚I am everyone‘: Kollektiv und Ich-Narrativ in Salman Rushdies Midnight’s Children und The Moor’s Last Sigh (Katharina Boehm)

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Katharina Boehm ‚I am everyone‘: Kollektiv und Ich-Narrativ in Salman Rushdies Midnight’s Children und The Moor’s Last Sigh In einem einflussreichen Essay hat der amerikanische Literkaturkritiker Fredric Jameson die These aufgestellt, dass alle Literaturen postkolonialer und Dritter- Welt-Staaten eine politische Dimension, nämlich die der nationalen Allegorie, besitzen: Third-world texts, even those which are seemingly private and invested with a properly libidinal dynamic necessarily project a political dimension in the form of national allego- ry: the story of the private individual destiny is always an allegory of the embattled situation of the public third-world culture and society.1 Der Universalitätsanspruch von Jamesons Aussage ist offensichtlich problema- tisch, aber im Zusammenhang mit dem Werk des anglo-indischen Autors Sal- man Rushdie besitzt Jamesons Argument durchaus Explikationskraft. Rushdies Romane Midnight’s Children (1981) und The Moor’s Last Sigh (1995),2 die Ge- genstand dieses Aufsatzes sind, verflechten die Ich-Narrative ihrer exzentrischen Ich-Erzähler mit der wechselvollen Geschichte Indiens seit der Gründung der demokratischen indischen Republik im Jahr 1947. Rushdies Engführung von Ich-Narrativ und nationaler Biographie schließt dabei an eine reiche Tradition indischer und anglo-indischer Autobiographien an, die zwischen den 1930ern und 1970ern von Anhängern der Nationalstaatsbewegung verfasst wurden, und die autobiographische Materialien mit Reflektionen über die Entwicklung der Nation mischen.3 Rushdie schlägt aus diesem Thema in seinen Romanen erzählerisch 1 Jameson, Fredric: Third World Literature in the Era of Multinational Capitalism. In: Social Text 15 (1986), S. 65–88. Hier: S. 69 (Hervorhebung im Original). 2 Rushdie, Salman:...

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