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Vom Ich erzählen

Identitätsnarrative in der Literatur des 20. Jahrhunderts

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Edited By Heribert Tommek and Christian Steltz

Narrative des Ich und des Selbst sind für die bürgerliche Kultur konstitutiv. Dieser Band beleuchtet, wie das Ich seit Rimbauds Fanal «Je est un autre» destruiert wurde. Nietzsches «Tod Gottes» entthronte das Ich. Ernst Mach erklärte es für «unrettbar», da er es auf seine einzelnen Elemente zurückführte, während Freud das Ich schließlich nach seinen Funktionen im psychischen Apparat zerlegte. Mit der Ich-Auflösung vollzog sich eine fundamentale metaphysische Krise. Die Beiträge zeigen, wie sich diese Auflösung als Katalysator für eine dynamisierte Modernisierung der Künste erwies. Denn paradoxerweise steht die Destruktion des Ich für eine neue, autonome Subjektkonstitution in der Literatur des 20. Jahrhunderts.

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Unterm Strich viel Ich. Das Spiel mit Ich- Dissoziationen und der Raum des Realen in Jan Brandts Gegen die Welt und Terézia Moras Das Ungeheuer (Andreas Heimann)

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Andreas Heimann Unterm Strich viel Ich. Das Spiel mit Ich- Dissoziationen und der Raum des Realen in Jan Brandts Gegen die Welt und Terézia Moras Das Ungeheuer Die wahre Welt haben wir abgeschafft: welche Welt blieb übrig? die scheinbare vielleicht? … Aber nein! mit der wahren Welt haben wir auch die scheinbare abgeschafft!1 Jan Brandts Gegen die Welt (2011) und Terézia Moras Das Ungeheuer (2013) wei- sen eine gemeinsame Besonderheit auf: eine horizontal gedruckte Linie. Ober- und unterhalb dieser Linie verlaufen parallel zueinander zwei Texte. Buchstäblich eröffnet sich in beiden Romanen dadurch die Möglichkeit all jenes abzubilden, was unter der ,Oberfläche‘ geschieht, denn erst durch den unteren Text komple- mentieren sich die dargestellten Subjekte und Handlungen des oberen Textteils. Dabei sind sowohl bei Mora als auch bei Brandt die unteren Textteile ungleich avantgardistischer in ihrer Schreibweise. Nicht selten werden durch den unteren Text Aussagen aus der oberen Erzählebene, wenn nicht verneint, so doch in Frage gestellt. Der untere Text beeinflusst schließlich die obere Handlung und greift in sie ein, wodurch beide Textebenen in stiller Kommunikation zueinander stehen. Demzufolge unterteilt die signifikante Linie beider Romane nicht allein den Textkörper in ein Oben und ein Unten, sondern mahnt auf einer psychoanalyti- schen Ebene eine Störung an, die nicht zuletzt auch als eine Ich-Dissoziation der Protagonisten gewertet werden kann. Assoziativ könnte die hier beschriebene Linie zunächst als lacansche Spie- gellinie geltend gemacht werden, reflektieren sich die Protagonisten der oberen Erzählebene...

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