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Das kulturelle Gedächtnis Europas im Wandel

Literatur über Shoa und Gulag

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Edited By Karol Sauerland and Yvonne Pörzgen

Die Autorinnen und Autoren der Beiträge gehen davon aus, dass eine Erinnerung an die Greuel des zwanzigsten Jahrhunderts, die sowohl den Gulag als auch die Shoa umfasst, zu den Grundvoraussetzungen politischer und gesellschaftlicher Annäherung in Europa gehört. Die Texte leisten eine Zusammenschau des Schreibens über Lagererfahrung in unterschiedlichen Kulturräumen und loten das Spannungsfeld zwischen der literarischen Darstellung der Entmenschlichung und der rhetorischen Distanz der Erzähler gegenüber dem Geschehenen aus. Sie lenken darüber hinaus ihre Aufmerksamkeit auf die Art, wie das millionenfache Leid künstlerisch verarbeitet wird. Wenngleich Adornos Verdikt, nach Auschwitz verbiete sich jede Kunst über Auschwitz, immer weniger Anhänger findet, so bleibt doch die Frage, wie Literatur diesem Leid gerecht werden kann.

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Der Abusus des Menschen im Lager-Kosmos von Aleksandar Tišma (Dagmar Burkhart)

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Dagmar Burkhart Der Abusus des Menschen im Lager-Kosmos von Aleksandar Tišma Luis Borges „nennt sein berühmtestes Buch Universalgeschichte der Niedertracht (Historia universal de la infamia)“, schreibt Danilo Kiš in seiner Essaysammlung Homo poeticus, „aber“, fährt er fort, „thematisch ist es überhaupt keine Universal- geschichte der Niedertracht, sondern es sind gesellschaftlich absolut irrelevante Geschichten“� Kiš behauptet dagegen, dass „die Universalgeschichte der Nieder- tracht das zwanzigste Jahrhundert mit seinen Lagern ist“1� Auch für den – wie Danilo Kiš – serbisch-jüdisch-ungarischen Autor Aleksan- dar Tišma bedeuten Pogrome und Lager Zivilisationsbrüche ersten Ranges� Als Hypostasen menschlicher Infamie bilden sie die obsessiven Themen seiner Texte, die folglich um den Missbrauch des Menschen als Objekt von Verhör- und Folter- spezialisten oder Material von Kriegsherren und Lagerkommandanten kreisen� Tišma ist 1924 in Horgos bei Subotica (Vojvodina) geboren und 2003 in Novi Sad gestorben� Sein Curriculum vitae2 ist dadurch gekennzeichnet, dass sich dar- in Welt- und Familiengeschichte ineinander spiegeln und auch den Chronotopos seiner Werke bestimmen� Als Tišmas Hauptwerk gilt ein nach dem 1� bis 5� Buch Mose benannter Pentateuch, bestehend aus den Bänden Knjiga o Blamu (Das Buch Blam, 1972), Der Gebrauch des Menschen (Upotreba čoveka, 1976), Škola bezbožništva (Die Schule der Gottlosigkeit, 1978), Vere i zavere (Treue und Verrat, 1983) sowie Kapo (1987)� Aus dieser Pentalogie sollen Das Buch Blam, „Najgora noć“ („Die schlimmste Nacht“), eine Erzählung aus dem Band Schule der Gottlosigkeit, ferner Der Gebrauch des Menschen und Kapo extrapoliert werden, weil...

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