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Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR

Heike Kaack

Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR zeigt exemplarisch die gewaltigen Anstrengungen, die die SED unternahm, um ihren Führungsanspruch zu sichern. Die Autorin untersucht, wie er die Hoffnungen vieler Bürger auf dringend notwendige Reformen des erstarrten und ideologisch überfrachteten Bildungssystems enttäuschte. Die fehlende Bereitschaft zu einem grundlegenden Kurswechsel beschleunigte nicht nur die Implosion der DDR, sie erschwerte auch die deutsch-deutschen Bildungsverhandlungen im Vorfeld der Wiedervereinigung erheblich. Dieses Buch zeigt, wie die knappe Zeitspanne bis zum 3. Oktober 1990, die unterschiedlichen Erwartungshaltungen sowie die Unerfahrenheit der DDR-Verhandlungsführer die einmalige Gelegenheit verstreichen ließen, den Vereinigungsprozess für eine gesamtdeutsche Bildungsreform zu nutzen.

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3. Eine Gesellschaft verändert sich

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Die internationale Anerkennung der DDR Wenn auch die Abstände zwischen den letzten Pädagogischen Kongressen der DDR immer größer wurden – die ersten vier fanden noch, beginnend mit August 1946, jährlich statt –, so war doch die Zeitspanne zwischen dem VIII. Kongress im Oktober 1978 und dem IX. im Juni 1989 besonders lang. In diesen knapp elf Jah- ren hatten sich entscheidende gesellschaftliche Veränderungen in einem Ausmaß vollzogen, die der Führungsspitze der DDR nicht verborgen geblieben sein konn- ten, auf die sie jedoch nur unzureichend oder aber unangemessen reagierte. Das galt insbesondere für das Bildungssystem, glaubte doch Margot Honecker allem Anschein nach fest daran, mit dem IX. Pädagogischen Kongress ihre Volksbildung trotz vieler Warnzeichen weiter wie bisher „auf Kurs“ halten zu können. So nahm sie z. B. nicht angemessen zur Kenntnis, dass die Eingaben, die im Volksbildungs- ministerium aus Anlass des Kongresses eintrafen, erstmalig inhaltliche Kritik am Gesamtzustand oder an einzelnen Bereichen des Bildungswesens enthielten und sich nicht nur – wie bisher üblich – hauptsächlich auf materielle Mängel oder persönliche Belange bezogen.77 77 Von der Eingabenmöglichkeit machten die DDR-Bürger reichlich Gebrauch. Im Jahre 1987 gingen im MfV insgesamt 3295 Eingaben ein, im Jahr darauf 3617; in den ersten vier Monaten des Jahres 1989 betrug die Anzahl der Eingaben 1032. Vgl. BArch DR 2 / 11484. Einsender waren hauptsächlich Eltern, Elternaktive, Elternbeiräte, Pädagogen und Studenten, hin und wieder auch Organisationen oder Institutionen. Die Eingaben- Analyseberichte, die halbjährlich in...

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