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Die Freie Wohlfahrtspflege als politischer Akteur im modernen Sozialstaat

Ein Beitrag zum Wandel der Inkorporierung von Wohlfahrtsverbänden in die staatliche Sozialpolitik

Sebastian Vaske

Das Buch thematisiert die neuen Anforderungen, denen die wechselseitige Interaktion von Wohlfahrtsverbandswesen, Sozialverwaltung und Sozialpolitik(-ern) ausgesetzt ist. Infolge gesellschaftlicher und politischer Veränderungen zeigt sich seit Mitte der 1990er Jahre ein Wandel innerhalb der wohlfahrtsverbandlichen Funktionen. In einer qualitativen Policy-Analyse untersucht der Autor für die Sozialverwaltung und einen Wohlfahrtsverband eines Bundeslandes exemplarisch, wie die beiden sozialen Akteure aktuell miteinander interagieren, wie sich ihr Verhalten in jüngerer Vergangenheit verändert hat und welche (innerverbandlichen) funktionalen Wechselwirkungen dabei entstanden sind. Er kann feststellen, dass die Wohlfahrtsverbände weiterhin als protagonistische Akteure in der sozialpolitischen Interessenvermittlung auftreten und legt ihre Bemühungen dar, der Neuordnung der Beziehung zum Staat Rechnung zu tragen, um auch in Zukunft eine starke sozialpolitische Lobbyarbeit zu praktizieren.

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I. Einleitung

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1 I. Einleitung In der Bundesrepublik Deutschland genießen die sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, welche zumeist unter dem Terminus „Wohlfahrtsver- bände“ zusammengefasst werden, ein hohes Maß an Ansehen und Bekanntheit. Dieses haben sie sich vor allem durch ihre praktische und karitative Tätigkeit im Bereich der Sozialen Arbeit erworben. Folglich werden die Wohlfahrtsverbän- de von der breiten Öffentlichkeit, zumindest auf den ersten Blick, mit der Um- setzung von sozialen Dienstleistungen (wie dem Betreiben von Kinderheimen, Pflegediensten oder Essen auf Rädern) in Verbindung gebracht. Diese Betrach- tung beinhaltet jedoch eine unzulässige Reduzierung der Untersuchungsobjekte. Wohlfahrtsverbände definieren sich selber als „dritter Sozialpartner“ (Spiegel- halter 1990), welcher „ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Hinblick auf die Durch- setzung sozialpolitischen Fortschritts in Deutschland“ (Stadler 2014. 5)1 ist. Neben der Funktion eines sozialen Dienstleisters erweist sich die Funktion des poli- tischen Interessenverbandes als bedeutsam. Bestätigung erfährt diese verband- liche Selbsteinschätzung durch Aussagen von Spitzenpolitikern. So resümiert Bundeskanzlerin Angela Merkel im April 2013, in einem Video-Podcast zum Jahresempfang des Deutschen Caritasverbandes, wie folgt: „Die großen Wohl- fahrtsverbände (…) sind nicht wegzudenken aus der Vielfalt unserer Landschaft, in der Sozialleistungen erbracht werden“ (Merkel 2013). Die derzeit für die Wohlfahrtspflege zuständige Bundesministerin Manuela Schwesig konkretisierte diese Aussagen bei der Jubiläumsfeier zum 90-jährigen Bestehen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Dabei ließ sie keinen Zweifel an der gesellschaftlichen und der politischen Bedeutung der sechs Spitzenverbände: „Es ist staatliche Aufgabe, soziale Unterschiede auszugleichen, Teilhabe zu...

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