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Kulturkritik zwischen Deutschland und Frankreich (1890–1933)

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Edited By Olivier Agard and Barbara Beßlich

Kulturkritik ist oft als ein spezifisch deutsches Phänomen beschrieben worden. Seit Sterns Studie über «Kulturpessimismus als politische Gefahr» war das Augenmerk vermehrt auf die Nähe zum Nationalismus gerichtet. Seitdem verblieb die deutsche Kulturkritik im Generalverdacht teleologischer Verbindung zum Nationalsozialismus und wurde oft mit überspannter nationalistischer Ideologie gleichgesetzt. Jedoch lässt sich die Entwicklung der Kulturkritik auch als eine Kontaktgeschichte zwischen den Nationen perspektivieren. Dass Kulturkritik nicht nur ein Produkt nationaler Eigenbrötelei ist, sondern sich diverse kulturkritische Strömungen in Deutschland gerade in der Auseinandersetzung mit französischen Entwicklungen herausgebildet haben, ist der Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes.
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Französische Autoren im Verlag von Eugen Diederichs Kulturkritische Impulse vor dem Ersten Weltkrieg

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Gangolf Hübinger

Französische Autoren im Verlag von Eugen Diederichs Kulturkritische Impulse vor dem Ersten Weltkrieg

Im Frühjahr 1914 fand in Köln eine große internationale Ausstellung des Deutschen Werkbundes statt, mit am Ende etwa einer Million Besucher. Der Deutsche Werkbund, 1907 gegründet, war eine Vereinigung von Architekten, Künstlern, Sozialreformern und Kulturkritikern. Gemeinsam war ihnen das Ziel, eine neue Ästhetik für die Massenkultur zu entwickeln, eine Industriekunst für Alltagsprodukte, Wohnformen und Fabrikgebäude. Der Werkbund war eine deutsche Variante des britischen Arts and Crafts Movement und damit Teil einer übergreifenden europäischen Lebensreformbewegung.

Zu dieser Kölner Ausstellung des Werkbundes gab es den phantastischen Plan, eine „französische Woche“ zu veranstalten, und zwar in der Gestalt, – „daß 300 Künstler, Schriftsteller und Zeitungsleiter aus Paris eingeladen werden sollten, um mit der Völkerverständigung durch gemeinsames Erleben ein Stück vorwärts zu kommen, fern allem Programmgerede.“ Als prominente Autoren wurden Romain Rolland und Jules Romains genannt, sogar der Name von Auguste Rodin fiel. Der Mann, dessen Tagebuch die Idee zu einem solchen intellektuellen Austausch festhält, ist der Verleger Eugen Diederichs.1 Eugen Diederichs hat sich immer sehr selbstbewusst als „Organisator der deutschen Kultur“ bezeichnet. Und sein Verlag hat zweifellos seinen festen Ort in der Geschichte der europäischen Kulturkritik.2 ← 193 | 194 →

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