Show Less
Restricted access

Kolonialismus und Dekolonisation in nationalen Geschichtskulturen und Erinnerungspolitiken in Europa

Module für den Geschichtsunterricht

Edited By Uta Fenske, Daniel Groth, Klaus-Michael Guse and Bärbel P. Kuhn

Dieser Band bietet Lernenden und Lehrenden einen neuen Zugang zu der Frage, welche Rolle Kolonialismus und Dekolonisation in einer geteilten europäischen Vergangenheit spielen, und stellt Materialien für den Geschichtsunterricht bereit. Die Beiträge sind das Ergebnis des EU-Projektes CoDec, in dem Partner aus Belgien, Deutschland, Estland, Großbritannien, Österreich, Polen und der Schweiz zusammengearbeitet haben. Die einzelnen Module beschäftigen sich mit kolonialen Vergangenheiten, Prozessen von Dekolonisation und Erinnerungspolitiken in verschiedenen Ländern in vergleichender und transnationaler Perspektive. Sie bieten anregende Quellen und konkrete Vorschläge für einen zeitgemäßen Geschichtsunterricht an Europas Schulen.
Show Summary Details
Restricted access

Die Reden von Baudouin I. und Patrice Lumumba am 30. Juni 1960, dem kongolesischen Unabhängigkeitstag – zur Diskussion

Extract



Einführung in das Modul

30. Juni 1960: Belgisch-Kongo wird zur unabhängigen Republik Kongo. Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in Léopoldville, dem heutigen Kinshasa, wird die Souveränität gewährt. Kongolesische und belgische Politiker sind ebenso zugegen wie diplomatische Vertreter zahlreicher weiterer Staaten. Der belgische König Baudouin hält eine paternalistische Rede, in der er sich auf die Größe des als „Zivilisator“ bezeichneten Leopolds II. bezieht. Er bittet die Kongolesen zudem darum, das belgische Vermächtnis zu ehren. Unerwartet und nicht abgesprochen hält dann der kongolesische Premierminister Patrice Lumumba ebenfalls eine Rede. Diese kann als direkte Antwort an Baudouin interpretiert werden: Was Lumumba äußert, ist das Gegenteil der Worte des Königs. Der Premierminister geht sehr kritisch mit dem kolonialen System um, welches er als Sklaverei beschreibt.

Es mag offensichtlich erscheinen, dass beide Akteure sich auf sehr eigene Weise mit der Vergangenheit auseinandersetzen, jeweils um ein spezifisches koloniales kollektives Gedächtnis zu formen. Während Baudouin darauf bedacht ist, eine positive Darstellung der Herrschaft Leopolds und Belgiens festzuschreiben, um Belgien auf dem internationalen Parkett gut aussehen zu lassen, zielt Lumumba darauf ab, ein Bild des mutigen und tapferen kongolesischen Volkes zu zeichnen, das trotz der Besetzung nie aufgab und nun aus eigener Kraft seine Unabhängigkeit erlangt hat. Mit dieser Darstellung als Solidargemeinschaft hoffte Lumumba auf die Unterstützung für einen gesellschaftlichen Wandel.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.