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Kolonialismus und Dekolonisation in nationalen Geschichtskulturen und Erinnerungspolitiken in Europa

Module für den Geschichtsunterricht

Edited By Uta Fenske, Daniel Groth, Klaus-Michael Guse and Bärbel P. Kuhn

Dieser Band bietet Lernenden und Lehrenden einen neuen Zugang zu der Frage, welche Rolle Kolonialismus und Dekolonisation in einer geteilten europäischen Vergangenheit spielen, und stellt Materialien für den Geschichtsunterricht bereit. Die Beiträge sind das Ergebnis des EU-Projektes CoDec, in dem Partner aus Belgien, Deutschland, Estland, Großbritannien, Österreich, Polen und der Schweiz zusammengearbeitet haben. Die einzelnen Module beschäftigen sich mit kolonialen Vergangenheiten, Prozessen von Dekolonisation und Erinnerungspolitiken in verschiedenen Ländern in vergleichender und transnationaler Perspektive. Sie bieten anregende Quellen und konkrete Vorschläge für einen zeitgemäßen Geschichtsunterricht an Europas Schulen.
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Postkoloniale Erinnerungskulturen in Europa. Eine fragmentierte, geteilte und national gebundene Erinnerungslandschaft: Zur Einführung

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Erinnerung ist ein breiter Begriff, der verschiedene Dimensionen auf unterschiedlichen Ebenen umfasst. Ein Beispiel ist die individuelle Erinnerung, die die Vorstellung darüber, wer man ist, beziehungsweise wie man sich sieht, aus selbst gemachten Erfahrungen formt. Erinnerungen spielen also bei der Konstruktion von Identitäten eine wichtige Rolle. Aber, und dies gilt es zu betonen, individuelle Erinnerungen entstehen nicht in einem Vakuum; vielmehr werden sie maßgeblich in einem sozialen Umfeld durch vielfältige Interaktionen herausgebildet. Individuelle Erinnerungen stehen folglich in enger Beziehung zu den Erinnerungen anderer Menschen – eine Feststellung, die auf eine andere Dimension der Erinnerung, das kollektive Gedächtnis verweist. Kollektive Erinnerungen sind Formen der Erinnerung, die innerhalb sozialer Gruppen existieren und sich entweder durch bottom-up-, z. B. durch alltägliche Kommunikation, oder top-down-Prozesse, beispielsweise über Politiker oder meinungsbildende Personen herausbilden können.

Die Anglistin und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann unterscheidet zwischen einem kommunikativen und einem kulturellen kollektiven Gedächtnis.1 Sie argumentiert, dass das kommunikative Gedächtnis in allen Arten von sozialen Gruppen, wie z. B. (sub-)nationalen Gruppen, kulturellen Gruppen und (postkolonialen) Gruppen von Migrantinnen und Migranten existiert und über mündliche Traditionen, Erfahrungen und Überlieferungen weitergegeben wird, wodurch Identitäten geschaffen oder auch Opferrollen festgeschrieben werden. Kulturelle Erinnerung, so Assmann, kann auch top-down durch Regierungen oder andere staatliche Autoritäten etabliert werden, die in Aushandlungsprozesse über die Bedeutung und Interpretation von Ereignissen innerhalb der Erinnerungskultur eingreifen. Das kulturelle Gedächtnis wird so fixiert, strukturiert und stabilisiert. Es wird geformt, um an künftige...

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