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Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

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Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
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Sisyphos oder das Unerbittliche

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Es mag auf den ersten Blick befremden, im Bereich der griechischen Bildwelt, die man fast ausschließlich als die eines marmornen Götterhimmels voller verklärender Bestätigung zu sehen gewohnt ist, auf Gestalten zu stoßen, die eines danteschen Inferno würdig wären: Gestalten wie die der Danaiden, meine ich, oder gar die des Sisyphis, des korinthischen Städtegründers, der dazu verdammt ward, ewig einen Stein einen Berg hinaufzuwälzen und doch niemals den Gipfel zu erreichen, der dann gleichermaßen die Erfüllung und Erlösung bedeutet hätte. Aber auch dieses Bild, von dem sich aussagen ließe, dass es recht eigentlich den Fluch schlechthin symbolisiere, ist aus dem Bereich griechischen Wesens nicht auszustreichen, ja auf einer tiefern Ebene stellt es sich geradezu als tragischer Orgelpunkt dar, der das Griechische überhaupt erst bestimmt und wie ein nie weichender Schatten auch noch seinen glänzendsten Erscheinungen anhaftet, ohne freilich ihrem Glanz das mindeste zu nehmen, nein, ihn sogar noch heller und strahlender zu machen. Denn wollte man diese so furchtbare und gerade durch ihren völligen Mangel an Erlösungskraft einfach unausdenkliche Mythe, deren Grausamkeit endlich auch die des danteschen Inferno noch übertreffen muss, nach ihrem Erlebnisinhalt deuten, so spiegelt sich in ihr das Erlebnis der Endlosigkeit: das Erlebnis also der Unaufhörlichkeit, die schlechthin unausweichlich den Fluch des ewig Vergeblichen einschließt und so eigentlich nur als unendliches Opfer zu begreifen ist, wie es ja auch Pascal empfand, als er davon sprach, dass...

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