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Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

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Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
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Notiz über das Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach

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In einem von Arnold Schering redigierten Neudruck, dessen Einband dem in der Berliner Staatsbibliothek befindlichen Original nachgebildet ist, legt der Verlag Georg D. W. Kallwey das Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach vor: jene genau auf der Schnittfläche zweier Zeitalter stehende Auswahl kleiner Musikstücke, deren eine noch das Hieratisch-Pompöse des verklingenden Barock und deren andere bereits das Galant-Courtoise des eben anhebenden Rokoko widerspiegeln. Was nämlich den inneren Spannbereich dieses Büchleins angehet – man hat es sich entstanden zu denken aus einer Reihe halb zufälliger Eintragungen, die zumeist von der Hand der Besitzerin stammen und im übrigen ohne jede kritische Ambition vorgenommen scheinen –, so besitzt er gleichermaßen Platz für das gewichtig in sich selbst kreisende Figurwerk einer Johann Sebastianschen Partita, wie für die zierlich verschnörkelten Pas eines nach Versailles hinüberweisenden Couperinschen Rondeaus; das heißt, er umfasst ebensowohl den frommen Ausdruck einer des Gottfried Wilhelm Leibniz Lehre von der prästablilierten Harmonie bestätigenden Weltgläubigkeit, wie andrerseits jenes schon leis frivole Spiel im Angesicht des Nichts und des bald auch mittels des betörendsten Melodienfiligrans nicht mehr hinwegzuleugnenden Abgrunds. Denn jener auch in die Musik das Thema des Sündenfalls und der opposition invincible einführende Bruch, der dann das bisher wie auf goldener Jakobsleiter hinschwebende Orchester zum gefügigen Instrument der kreatürlichen Klage macht, es die Einsamkeit und Preisgegebenheit des Ich singen lassend, wo es früher wie aus der Perspektive eines lauschend über das theatrum...

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