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Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

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Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
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Zu den Briefen Cézannes

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Der gleiche Name hat verschiedenen Sinn, dient er als Unterschrift eines Briefes oder ist er einem Werk vorangesetzt. Das mag einigermaßen paradox klingen; aber überlegen wir … Den Beethoven, den wir in den letzten Quartetten bewundern, gibt es nur in diesen letzten Quartetten. Es ist nicht minder ein Resultat seines Werks, wie das Werk ein Resultat ist seines Autors. Ihn also außerhalb seines Werkes suchen zu wollen, wäre töricht; schlagen wir die gleichzeitigen Briefe auf, finden wir allenfalls die Schlacken jener Stimme, die wir unter dem Namen Beethoven begreifen.

Dasselbe gilt für die Briefe Cézannes.39 Der Sprachgebrauch, welcher von Malerbriefen zu reden erlaubt, ist ein täuschender. Nicht der Maler Cézanne schrieb diese Briefe! Der Maler ist nirgendwo, denn in seinen Bildern; aus den Briefen spricht allein der ungültige Rückstand.

Weshalb also sie veröffentlichen? – Ein gewisses Tier, wenn man ihm einen Spiegel vorhält, pflegt sogleich hinter den Spiegel zu greifen. Nun denn, unsre Neugier auf den Künstler chez soi et en pantoufles führt zur gleichen Geste. Man trachtet, hinter das Werk zu gelangen. Aber sobald das Werk vollendet, gibt es kein Hinter-dem-Werk mehr. Was sonst noch übrigbleibt, ist vom Menschen, nicht vom Künstler; wer mithin die Offenbarung des Werkes anderswo denn im Werk sucht, ist betrogen.

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