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Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

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Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
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Maske und Maskerade

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Eine Karnevalsbetrachtung

Was bedeutet dieses so seltsame Tun, dass der Mensch sich zu gewissen Zeiten eine Maske vorbindet und damit sein eigentliches Gesicht gleichsam vernichtet und mit einem andern vertauscht? Wo zum erstenmal erfand sich die Maske und wann zum erstenmal kam sie zur Anwendung? Ein Gefühl menschlicher Unzulänglichkeit muss es gewesen sein, dass sich die Maske erschuf, ein Gefühl von Bedrohung und Preisgegebenheit, denn irgendwie ist die Maske stets Flucht: Flucht aus der Schutzlosigkeit, des sich der Zeit und dem Raum ausgeliefert fühlenden Menschen in eine umwölbende Welt schoßhafter Geborgenheit, Flucht aus dem festumgrenzten Jetzt und Hier in den vegetativen Dämmer eines zeitlos sich verströmenden Lebens, Flucht vor der Nacktheit des eigentlichen Gesichts in gültigere und beständigere Züge.

Seelischer Ursprung der Maske also wäre das Gefühl einer Zweiheit, das Gefühl eines Zwiespalts zwischen Ich und Welt, Mensch und All, das mythische Gefühl eines Sündenfalls, der einen Abgrund aufklaffen lässt zwischen Mensch, Tier und Pflanze, der eine Feindschaft einsetzt zwischen Mensch und Dinge, der die Urwelt der Einheit jäh in zwei Hälften auseinanderspaltet und zu ihrem Zwischenglied den Menschen bestimmt. Denn erst der im Strudel solchen Zwiespalts verfangene Mensch, ahasverischer Wanderer zwischen zwei Welten, stets bemüht, die Bruchränder des Spaltes zu überbrücken und wieder zusammenfließen zu lassen, bedarf der Maske: bedarf ihrer als eines unerlässlichen Mittels zum Leben, als eines...

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