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Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

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Edited By Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
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Adam Müller oder die romantische Sinngebung des Staates

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In des 1829 als Hofrat zu Wien verstorbenen Adam Heinrich Müllers Vorlesungen über die Elemente der Staatskunst findet sich als zentrales romantisches Thema der Satz, dass der Staat nichts anderes sei als der erweiterte Mensch, und dass die Idee des Staates insofern richtig und vollständig sei, als die Idee des einzelnen Menschen diese Bedingung erfülle. Derselbe Gedanke begegnet uns, in ähnlicher Formulierung sogar, in den Fragmenten von Novalis. „Was der Mensch sich selbst ist, ist der Staat dem Mensch“ und „Der Staat ist immer ein Makroanthropos gewesen“, heißt es dort. Staat also als Spiegel und Bild des Menschen, als seine Projektion in ein organisches Gefüge von Gesetz und Recht, als Projektion seines sich wandelnden Bildes, müssen wir präzisieren, in die sichtbar machende Form –: das ist der Sinn dieser drei in ihrem Streben nach Totalität ganz romantischen Sätze.

Dass sich, historisch gesehen, in jedem von ihnen eine ungeheure innere Revolution ausspricht, die Revolution der deutschen Romantik gegen die Lehren der französischen Aufklärung, die Revolution einer organischen Auffassung von Mensch und Leben gegen das letztlich immer irgendwie mechanische, Sinn und Nutzen vertauschende und gleichsetzende Weltbild des Rationalismus, erhellt deutlich, wenn man sie etwa mit dem Sinngebungsversuch des Rousseauschen Contrat social vergleicht oder an jene Stelle erinnert, in der Adam Müller mit bitterm Spott die eigne Lehre gegen ein noch immer herrschendes Zeitideal abgrenzt. „Könnt ihr vom Staate keine höhere Anschauung erschwingen, als dass er...

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