Show Less
Restricted access

Studien zur österreichischen Literatur: Von Nestroy bis Ransmayr

Series:

Gabriella Rovagnati

Der Band bietet Studien zu repräsentativen Autoren aus 150 Jahren österreichischer Literaturgeschichte. Er beginnt mit Beiträgen zu Theaterstücken des 1801 in Wien geborenen Dramatikers Johann Nestroy und behandelt u.a. spezifische Probleme der Übertragung der Volksstücke des Österreichers ins Italienische. Enthalten sind auch Studien zu Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig, Franz Werfel, Elias Canetti, Thomas Bernhard, Franz Innerhofer bis hin zu den frühen Prosawerken Christoph Ransmayrs. Alle Aufsätze sind komparatistisch angelegt und thematisieren unter anderem die Rezeption der behandelten Schriftsteller in Italien. Der Band erörtert darüber hinaus Fragen der Theatergeschichte und enthält unveröffentlichtes Quellenmaterial.
Show Summary Details
Restricted access

Schule und Korruption: Die schlimmen Buben in der Schule von Johann Nestroy

Extract



Und nun ging es, o Qual! an lateinische, griechische Pensa,

  Bebenden Fingers gezählt ward des Hexameters Maß.

Marternde Sorgen des Schülers, die Angst vor der schlechteren Note –

  Jetzt noch fühl’ ich sie nach, schreit’ ich hier sinnend vorbei!

(Ferdinand von Saar: Wiener Elegien, V, 13–16)

Als typischem ‚Sohn aus gutem Hause‘ war Johann Nestroy, der am 7. Dezember 1801 in der Wiener Bräunerstraße 3, wenige Schritte vom Stephansdom entfernt, als zweites von acht Kindern eines angesehenen Anwalts zur Welt gekommen war, ganz selbstverständlich bestimmt, eines der berühmten Gymnasien in der Donaumetropole zu besuchen. Nach der Grundschule wurde er Zögling des Akademischen Gymnasiums, das vor ihm u. a. die Dramatiker Eduard von Bauernfeld und Franz Grillparzer besucht hatten und das auch später die Bildungsstätte zahlreicher anderer bekannter Schriftsteller wurde, etwa Peter Altenbergs, Arthur Schnitzlers und Hugo von Hofmannsthals.1 Anders als die hier genannten Dichter erlangte Nestroy seine Matura jedoch nicht am „Akademischen“, wo er wegen schlechter Leistungen bloß von 1811 bis 1813 blieb. Er wechselte zum Schottengymnasium, einer Benediktiner-Schule, die ebenfalls hohes Prestige in Wien genoß und die ihr Absolvent Ferdinand von Saar in seinen Wiener Elegien besungen hatte. Bei den Schotten jedoch wurden die Leistungen Nestroys, der hier zunächst die ersten zwei humanistischen Klassen mit Griechisch- und Lateinunterricht besuchte, noch schlimmer. Zu seinem schulischen Mißerfolg trug sicher der frühe Tod seiner Mutter bei, die...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.