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Studien zur österreichischen Literatur: Von Nestroy bis Ransmayr

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Gabriella Rovagnati

Der Band bietet Studien zu repräsentativen Autoren aus 150 Jahren österreichischer Literaturgeschichte. Er beginnt mit Beiträgen zu Theaterstücken des 1801 in Wien geborenen Dramatikers Johann Nestroy und behandelt u.a. spezifische Probleme der Übertragung der Volksstücke des Österreichers ins Italienische. Enthalten sind auch Studien zu Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig, Franz Werfel, Elias Canetti, Thomas Bernhard, Franz Innerhofer bis hin zu den frühen Prosawerken Christoph Ransmayrs. Alle Aufsätze sind komparatistisch angelegt und thematisieren unter anderem die Rezeption der behandelten Schriftsteller in Italien. Der Band erörtert darüber hinaus Fragen der Theatergeschichte und enthält unveröffentlichtes Quellenmaterial.
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Die Zerstörung der Idylle: der unpoetische Realismus in Franz Innerhofers Roman Schöne Tage

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Holl brauchte nichts zu erfinden, er schilderte nur, was er oft

erlebt hatte, und dachte dabei hauptsächlich an den […] Bauern,

der auch Kinder gemacht hat, um weiterzugeben, woran sein

Urgroßvater schon krepiert war […]

(Franz Innerhofer: Schöne Tage)

„Letzten Dienstag fand ein Handwerker den Toten in dessen Grazer Wohnung. Laut Polizei dürfte Franz Innerhofer bereits Tage zuvor Selbstmord begangen haben. Im 58. Lebensjahr war der Schriftsteller […] buchstäblich am Ende angelangt.“1 Sachlich und bündig registrierte Ulrich Weinzierl am 24. Januar 2002 den Suizid des österreichischen Prosaisten, der wie ein Meteor am Himmel der literarischen Szene plötzlich und kurz brilliert hatte, jedoch gleich danach wieder verschwand. Mit seinem Erstlingswerk, Schöne Tage2, das 1974 erschienen war, hatte Innerhofer nämlich unerwartetes Aufsehen erregt; sein zweiter Roman aber fand schon nur noch eine laue Aufnahme: Dem schnellen Aufstieg folgte ein ebenso rascher Fall; der dritte Titel wurde kaum noch gewürdigt, mit den späteren Werken Innerhofers ging es weiter bergab, bis der Autor, der mehr und mehr dem Alkohol verfallen war, Hand an sich legte. In seiner Verzweiflung fügte sich Innerhofer in die lange Reihe der ‚Heiligen Trinker‘ der österreichischen Literatur ein. Er fühlte sich unverstanden von der Welt und wie unter einem bösen Stern stehend. „Zugrundegegangen“, meint sein Landsmann Karl Markus Gauß, sei „dieser Autor nicht am Alkohol und nicht an den Wunden, die ihm in seiner Kindheit auf...

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