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Russische Kinderliteratur im europäischen Exil der Zwischenkriegszeit

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Nadia Preindl

Als Folge der Oktoberrevolution und der dadurch bewirkten Emigration zahlreicher russischer Intellektueller entwickelte sich in den Zufluchtsländern während der 1920er- und 1930er-Jahre eine erhebliche Produktion an Kinderliteratur. Als Ergebnis extensiver Quellenarbeit in europäischen und amerikanischen Archiven machen die Studien bewusst, welchen Beitrag die russischen Emigranten trotz schwierigster Lebensbedingungen im Bereich des Genres Kinderbuch leisteten. In der Rekonstruktion theoretischer Diskussionen sowie literarischer Thematisierungen von Flucht, Aufwachsen in der Fremde, Erinnerung und Identität zeichnet die Autorin die Spannungsfelder zwischen den Sprachen und Kulturen sowie Traditionsbewahrung und Assimilierung nach. Neben überraschenden Erkenntnissen liefert das Buch durch die systematisierende Zusammenführung von vergessener Literatur einen Beitrag zur Literatur- und Kulturgeschichte Russlands sowie Europas.
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Beschreibung und Typologisierung der Quellen

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Die Produktion von Kinderliteratur setzte sich nach 1917 außerhalb Russlands in den russischen Emigrationszentren fort. Das nachstehende Quellenverzeichnis verdeutlicht, dass die Jahre 1920–1923 den Höhepunkt der Kinderbuchherausgabe fernab russischer Grenzen bildeten. Ab 1919 erschien russischsprachige Literatur für Kinder vorwiegend in Berlin, Prag und Paris. Ab 1923 dehnte sich die Herausgabe auf weitere russische Exilzentren in Finnland, Lettland, Schweden, Serbien, Bulgarien sowie ferner die fernöstlichen Städte Harbin, Shanghai und Tianjin aus.

Das erste und quantitativ bedeutendste Zentrum der Kinderbuchproduktion zwischen 1918 und 1939 formierte sich zu Beginn der 1920er-Jahre in Berlin. Die deutsche Hauptstadt avancierte zwischen 1921 und 1923 zum Zentrum der Buchherausgabe der russischen Diaspora. Die begünstigenden Faktoren des Verlagsortes Berlin lagen neben seiner geographischen Lage insbesondere in den vorteilhaften Produktions- und Druckbedingungen infolge der vorherrschenden Inflation. Zudem herrschte in Deutschland kein Papiermangel und die Druckqualität der Verlage wies gegenüber dem sowjetischen Russland eine höhere Qualität auf, sodass während der Zeit der NĖP sowjetische Verlage dazu übergingen, Bücher im kostengünstigeren Berlin drucken zu lassen. Folglich zeigt sich eine Überhäufung des deutschen Buchmarkts mit heterogenen und mitunter widersprüchlichen russischsprachigen Publikationen. Charakteristisch für den Berliner Exilbuchmarkt war, dass sowohl Kinderbücher für die Exilanten als auch für den Export nach Sowjetrussland bestimmte Werke herausgegeben wurden, wie die kinderliterarischen Publikationen Verlage „Nakanune“ und „Gržebin“, die mit sowjetischen Geldern finanziert wurden.68

Die stärksten Aktivitäten im...

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