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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Edited By Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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„Der Inder sagt »Atman«, der Chinese sagt »Tao«, der Christ sagt »Gnade«“. Zum religiösen Synkretismus in der Lyrik von Hermann Hesse

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Paweł MoskałaUniwersytet Jagielloński w Krakowie

„Der Inder sagt »Atman«, der Chinese sagt »Tao«, der Christ sagt »Gnade«“.1 Zum religiösen Synkretismus in der Lyrik von Hermann Hesse

Betrachtet man die Religiosität in Hermann Hesses Leben und Werk, stößt man zwangsläufig auf eine weltanschauliche Polyphonie. Bei kaum einem anderen deutschsprachigen Autor des 20. Jahrhunderts begegnet man in religiöser und philosophischer Hinsicht so weit auseinanderliegenden Konzepten. Allein seine Romane und Erzählungen, aber auch seine umfangreiche Briefkorrespondenz und seine unzähligen Essays sind ein guter Beweis dafür, dass der Autor unter dem Einfluss unterschiedlicher Strömungen aus West und Ost stand, was die zitierten Begriffe aus der indischen, chinesischen und christlichen Weltanschauung (»Atman«, »Tao« und »Gnade«) exemplarisch bekräftigen. Sie versinnbildlichen im Allgemeinen ein Erwachen, das sich je nach Religion auf unterschiedliche Wege erreichen lässt. Man kann den Zustand selbst freilich auch auf vielerlei Weise bezeichnen: die Vollkommenheit des unzerstörbaren Selbst, die uranfängliche Einheit der Seele, das ewige Wesen des Geistes, die höchste Wirklichkeit oder mystische Erlösung, um nur einige zu nennen. Der Dichter richtet hierbei seinen Fokus nicht auf das theologische Studium religiöser Lehren, er hinterfragt weder das Wesen Gottes noch seine Herkunft und Attribute und geht in den allermeisten Fällen nicht auf die Beziehungen zwischen Gott und Mensch ein. Entscheidend für ihn sind aber die Fragen nach der Befristung jeglichen Lebens und der unaufhaltsamen Hinfälligkeit...

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