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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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Die Esther-Gestalt in der Literatur des deutschsprachigen Exils

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Neben dem Deutschland- und dem autothematischen Exilroman spielen in der deutschsprachigen Literatur bekanntlich seit 1933 historische Romane eine prominente Rolle; auch lösten sie jenen berühmten Streit um den historischen Roman aus, an dem sich Lion Feuchtwanger und Georg Lukàcs, aber auch Alfred Döblin und Bertolt Brecht beteiligten. Historische Epochen wie die Renaissance und die Reformation, die Inquisition und die Hugenottenverfolgung, aber auch die Französische Revolution und schließlich prominente historische Persönlichkeiten wie Erasmus, Luther oder Napoleon wurden Gegenstand historischer Romane von Heinrich Mann und Stefan Zweig, Lion Feuchtwanger oder Hermann Kesten. Weniger bekannt und noch weniger systematisch erforscht ist hingegen die „Bibeldichtung“ des Exils1, wenn man vom mythopoetischen Leitbuch des Exils, dem freilich schon 1930 erschienenen Roman Hiob von Joseph Roth, und von Thomas Manns Tetralogie Joseph und seine Brüder (1933–1943) einmal absieht. Insbesondere eine Figur, die sich zumal aus jüdischer Perspektive für die Gestaltung der Exilproblematik angeboten hätte, begegnet eher selten: die Figur der Esther. Ihr gelten die folgenden Überlegungen, die dankbar und beispielhaft zu konkretisieren versuchen, was Maria Kłanska zur biblischen Intertextualität wegweisend entwickelt hat.2

Die Überlieferung der biblischen Geschichte, ihre argumentative Struktur und Deutung dürfen als bekannt vorausgesetzt werden.3 Ob und wenn ja in welcher ← 369 | 370 → Weise das so offenkundig politische Potenzial der biblischen Esther-Geschichte in der deutschsprachigen Literatur nach 1933 genutzt wurde, soll im Folgenden erörtert werden. Esther, die Königin des Perserreiches unter Artaxerxes, bewahrt...

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