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Die Rezeption der Gestaltpsychologie in Robert Musils Frühwerk

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Karen Brüning

Im Mittelpunkt des Buches steht die Analyse der Wechselwirkung zwischen Robert Musils Frühwerk und der Gestaltpsychologie. Der österreichische Schriftsteller gilt als Wanderer zwischen den Welten der Wissenschaft und der Literatur. Er emanzipiert sich von der wissenschaftlichen Psychologie und setzt ihr eine auf psychologischen Erkenntnissen basierende Poetologie entgegen, in der besonders die Erkenntnisse der Gestalttheoretiker literarisch verarbeitet werden. In diesem Prozess, dessen Endpunkt der «Mann ohne Eigenschaften» darstellt, kommt dem Frühwerk eine besondere Bedeutung zu. Karen Brüning zeigt auf, wie Musil hier erstmals literarische Zugänge zu einem eigentlich psychologischen Erkenntnisinteresse erarbeitet: der Definition der Seele.
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8. ‚Drei Frauen‘ – Die Verschmelzung von Gegensätzen zu seelischen Gestalten

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Der dreiteilige Novellenzyklus, der 1924 veröffentlicht wird, enthält die Erzählungen ‚Grigia‘, ‚Die Portugiesin‘ und ‚Tonka‘. Gemeinsam ist diesen Erzählungen, dass die Titel implizieren, die jeweilig genannte Frau stände im Mittelpunkt der Novelle. Tatsächlich jedoch sind es die Männer, aus deren Sicht erzählt wird689 und deren charakterlicher Wandel (zumindest vordergründig) relevant ist.690 Die ‚Drei Frauen‘ markieren insofern einen Wendepunkt in der Musilschen Schaffensgeschichte, als er sich nach den ‚Vereinigungen‘ mit ‚Die Schwärmer‘ (1921) und ‚Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer‘ (1923) zunächst dem Drama zuwandte.

Auch wenn das Stück ‚Die Schwärmer‘ keinen nennenswerten Erfolg vorweisen konnte,691 so zieht Musil in der Retrospektive doch wichtige Schlüsse aus diesem Werk:

[…] bis zum heutigen Tag kommt das, was ich erzähle, für mich erst in zweiter Linie. […] Das zweite Beispiel, worin sich das in einer geradezu anekdotischen Weise ausdrückt, ist das meines vom Unglück verfolgten Hauptwerks „Die Schwärmer“, das ich mit Bedacht heute noch ein Theaterstück nenne. […] Von diesem Stück stand beinahe jedes Wort fest, so wie es heute darin steht, aber es gab drei Fassungen, drei verschiedene ← 223 | 224 → Handlungen, drei Szenerien, dreierlei Personenkreise, kurz dreierlei theatermäßig ganz verschiedene Stücke, die im wesentlichen doch ein und dasselbe waren.692

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