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Leserbrief und Identitätskonstitution

Am Beispiel von Diskursen der ost- und westdeutschen Tagespresse 1979–1999

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Goulnara Wachowski

Die ersten «Stimmen aus dem Publikum» erscheinen bereits im 18. Jahrhundert. Dennoch bleibt der Leserbrief aus der textlinguistischen Sicht ein schillerndes und schwer zu fassendes Phänomen. Die Autorin setzt sich zum Ziel, diese Vielfalt aufzufangen und darzustellen sowie einen methodischen Zugang zu finden, der eine entsprechende Analyse und Beschreibung ermöglicht. Anhand des intertextuell-diskursiven Modells, das nach einer eingehenden theoretischen Auseinandersetzung mit intertextuellen und diskursiven Konzepten entstanden ist, analysiert sie den Leserbrief als diskursiven Beitrag – jeweils 10 Jahre vor und nach der Wende und in einer ost- sowie einer westdeutschen Tageszeitung. Das Untersuchungsmaterial bilden 1092 Leserzuschriften – bzw. ihre Autorinnen und Autoren.
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4. Forschungsstand zur Textsorte Leserbrief

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Dieses Kapitel ist der allgemeinen Briefforschung und speziell der Leserbriefforschung gewidmet. Im Weiteren wird auf einige Schwerpunkte der „Briefschreiblehre“ in der Literaturwissenschaft und des kommunikationsorientierten Briefforschungsansatzes in der Pragmalinguistik (4.1) ohne Anspruch auf Vollständigkeit eingegangen. In einem kurzen Exkurs über die Geschichte des Leserbriefes (4.2) werden die „Annalen“ mit interessanten Beispielen von ersten „Lesereinsendungen“ vorgestellt sowie redaktionelle „Tricks“ der Leserverlockung, die im Laufe der Zeitungsgeschichte zur Konvention geworden sind, ans Licht gebracht. Dem folgt eine kritische Auseinandersetzung mit den linguistischen bzw. medienwissenschaftlichen Studien zu Leserbriefen (4.3). Anschließend werden Schlussfolgerungen aus der vorliegenden Betrachtung gezogen (4.4).

4.1 Bemerkungen zur allgemeinen Briefforschung

Die allgemeine Briefforschung war und ist ein facettenreicher Forschungsbereich literaturwissenschaftlicher, historischer, rhetorischer, didaktischer und seit einiger Zeit auch sprachwissenschaftlicher Untersuchungen. Ursprünglich gehörte die so genannte Briefschreiblehre primär zum Forschungsgebiet der Literaturwissenschaft und bestand grundsätzlich in dem Zusammenstellen von „regelrechten Briefstellern1 mit allgemeinen Hinweisen und Musterbriefen“, in „Darlegungen über Wesen und Stileigentümlichkeiten des Briefes in grammatischen und rhetorischen Schriften“ und in „theoretischen Erörterungen in Briefen selbst“ (Krytzler 1969, 261). Zwar legte Benjamin Neukirch2 schon 1709 in seiner Anweisung zu Teutschen Briefen zwei Grundprinzipien der Briefschreibweise – Natürlichkeit und Deutlichkeit – fest; als Grundsteine der deutschen ← 125 | 126 → Briefschreiblehre gelten jedoch die drei 1751 erschienenen Briefsteller: Grundsätze wohleingerichteter Briefe von Johann Christian Stockhausen3, Anweisung zur Regelmäsigen Abfassung Teutscher Briefe von Johan Wilhelm Schaubert4 und Praktische Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen von Christian Fürchtegott Gellert5,...

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