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Altchristliche Literatur und kritische Historie bei Franz Overbeck

Vier Studien

Johann-Christoph Emmelius

Der Autor geht in vier Studien der wissenschaftlichen Arbeit des Kirchenhistorikers Franz Overbeck nach. Unter Verwendung unveröffentlichter Vorlesungen rekonstruiert er Overbecks Arbeit am Konzept einer altchristlichen Literaturgeschichte sowie an der Entstehungsgeschichte des neutestamentlichen Kanons. Er zeichnet zudem Reflexionen Overbecks auf wissenschaftliche Kirchenhistorie nach und beschreibt die Verwendung des Begriffs «profane Kirchengeschichte». Er zeigt, wie – im Kontrast zum Öffentlichkeitsanspruch des Aufklärers Kant – Overbecks Öffentlichkeitsscheu als kritischer Historiker des Christentums wächst.
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Studie 4 - Wissenschaft und Öffentlichkeit: Die Unterscheidung „exoterisch/esoterisch“ bei Overbeck im Vergleich zu der Unterscheidung „privat/öffentlich“ bei Kant

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Studie 4 Wissenschaft und Öffentlichkeit: Die Unterscheidung „exoterisch/esoterisch“ bei Overbeck im Vergleich zu der Unterscheidung „privat/öffentlich“ bei Kant

1 Fragestellungen der Untersuchung

Im letzten Teil seiner 1873 erschienenen Schrift „Ueber die Christlichkeit unserer heutigen Theologie. Streit- und Friedensschrift.“ (ChT1) unterbreitet Overbeck einen Vorschlag zur Reform der Ordinationsgelübde von Geistlichen. Overbeck plädiert dafür, einen esoterischen und einen exoterischen Standpunkt des wissenschaftlich gebildeten Theologen zu unterscheiden, und formuliert den Vorschlag, in den Ordinationsgelübden „die individuelle Ueberzeugung frei zu geben, aber ihre amtliche Aeusserung zu binden“1380.

Im Blick auf diesen Vorschlag wird in der Literatur über Overbeck gelegentlich vermerkt, Overbecks Unterscheidung klinge an Immanuel Kants Unterscheidung von privatem und öffentlichen Vernunftgebrauch in seinem Aufsatz „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ von 1784 an. So stellt R. Kiefer fest: „Overbeck hätte sich dafür auf die Abhandlung: Was ist Aufklärung? berufen können.“1381 A. Pfeiffer formuliert: „Overbecks Versuch einer Lösung schließt sich ganz eng an Überlegungen an, die Immanuel Kant […] bereits 1784 angestellt hatte.“1382 Unter ausdrücklicher Nennung von Kiefer und Pfeiffer schreibt A. U. Sommer: „Overbecks Unterscheidung zweier Seiten einer Theologenexistenz verweist auf den ‚öffentlichen Gebrauch’ und den ‚Privatgebrauch’ der ‚Vernunft’ zurück, wie sie Kant in seiner Aufklärungsschrift angeregt und ja namentlich auf die ← 319 | 320 → Theologen appliziert hatte...

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