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Das kulturelle Gedächtnis Europas im Wandel

Literatur über Shoa und Gulag

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Karol Sauerland and Yvonne Pörzgen

Die Autorinnen und Autoren der Beiträge gehen davon aus, dass eine Erinnerung an die Greuel des zwanzigsten Jahrhunderts, die sowohl den Gulag als auch die Shoa umfasst, zu den Grundvoraussetzungen politischer und gesellschaftlicher Annäherung in Europa gehört. Die Texte leisten eine Zusammenschau des Schreibens über Lagererfahrung in unterschiedlichen Kulturräumen und loten das Spannungsfeld zwischen der literarischen Darstellung der Entmenschlichung und der rhetorischen Distanz der Erzähler gegenüber dem Geschehenen aus. Sie lenken darüber hinaus ihre Aufmerksamkeit auf die Art, wie das millionenfache Leid künstlerisch verarbeitet wird. Wenngleich Adornos Verdikt, nach Auschwitz verbiete sich jede Kunst über Auschwitz, immer weniger Anhänger findet, so bleibt doch die Frage, wie Literatur diesem Leid gerecht werden kann.
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Karol Sauerland: Die polnische Lagerliteratur vor dem Hintergrund der deutschen in den ersten Nachkriegsjahren

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Karol Sauerland

Die polnische Lagerliteratur vor dem Hintergrund der deutschen in den ersten Nachkriegsjahren

Das Wort Lagerliteratur wird heute nur noch selten gebraucht. Es klingt zu harmlos angesichts der reichen Literatur über die Shoa und zuletzt auch über den Gulag. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg war es im Deutschen üblich, über die Konzentrationslager und das Schicksal in ihnen zu schreiben. Die Zeitschriften zeigten gleich nach der Befreiung die Bilder von den Konzentrationslagern und den vielen Leichen in ihnen. Die ersten Bilder stammten von den letzten Augusttagen 1944, als westliche Journalisten zu einer Besichtigung in das von der Roten Armee befreiten Vernichtungslager Majdanek gelangten, das von der SS hastig geräumt worden war (Life-Magazin 28. August und New York Times 30. August 1944). Diese Bilder wurden sofort auf die Titelseiten der Magazine gesetzt, womit die Existenz von KZs endlich von einer großen Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

Zuvor gab es Berichte über deren Existenz (Konzentrationslager. Ein Appell an das Gewissen der Welt, Karlsbad 1934; Folterhölle Sonnenburg. Tatsachenbericht eines ehemaligen Schutzhäftlings, Zürich, Paris 1934; Irmgard Litten, Die Hölle sieht Dich an. Der Fall Litten, Paris 1940)1 und auch literarische Verarbeitungen, aber die Phantasie reichte nicht aus, sich die dortigen Schrecklichkeiten vorzustellen. Man denke nur an das Siebte Kreuz von Anna Seghers, das, verglichen mit den wirklichen Verhältnissen in den KZs, ein fast idyllisches Bild vermittelte. In Deutschland erschienen gleich nach Kriegsende Bücher, in denen versucht...

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